Mission: Impossible

Wenn der Mittagsschlaf schon nicht funktioniert, der Bauch dick ist und das Gesicht blass, dann steht fest, dass heute wieder ein Tag ist, an dem einfach alles unmöglich zu schaffen sein scheint.

Zu meinem Glück ist Daniel heute zu Hause, morgen muss er wieder Leben retten gehen.


„Wie geht´s euch?“, sind gut gemeinte Standardfragen, dessen gedanklicher Auswirkung sich der Fragende wohl nicht bewusst ist.

Wie soll es einem schon gehen, wenn man nach dem Aufstehen nicht einmal Zeit hatte, sich die Zähne zu putzen, das Gesicht zu waschen, frische Unterwäsche anzuziehen und die Haare zu kämmen.

Schnell schnappt man sich die im Bett herumliegenden Socken vom Vortag und zieht sie mit dem Vorsatz an spätestens zum Mittagsschlaf die eigene Sauberkeitsrehabilitation durchzuführen.

Die gewaschene Wäsche steht seit drei Tagen in der Waschmaschine und gammelt vor sich hin, die Spülmaschine sollte vorgestern noch ausgeräumt werden und überall liegen Berge von Postbriefen und To-Do- Listen.

Der Postbote nervt, wenn er wieder Mal ein Paket der abwesenden Nachbarn abgeben will und stimmt freudestrahlend die Worte: „Bei Ihnen ist das super. Sie sind immer zu Hause.“ auf mich ein. Also unterschreibe ich mit der Hand, die nicht mein quengeliges Baby trägt und stelle erneut fest, dass die Unterschriften auf diesen Dingern aussehen, als hätte ich mindestens drei von fünf Fingern eingegipst.

Sollte der Mittagsschlaf nach langen 45 Minuten des Versuchens endlich glücken, dann nehme ich mir fest vor, aufzustehen und die von mir heißersehnte Dusche durchzuführen.

Letztendlich wache ich nach etwa einer Stunde neben meinem Sohn auf, der sich inzwischen so lange die Decke angesehen hat, dass er bereits die Wandschichten kennen mag, ohne dabei zu Wissen was Wandschichten überhaupt sind.

(An dieser Stelle muss ich betonen, dass wir mittlerweile Tage dazwischen haben, an denen unser Baby und auch wir rundum zufrieden und glücklich sind! Dazu erfahrt ihr aber noch genug  😉   )


Ich hätte gerne jemanden kennen gelernt oder von jemandem gelesen, dessen Baby kein wundersames „Anfängerbaby“ ist.

Betrachtet man die einem vermittelten Werte und Normen unserer Gesellschaft, so zieht man anfangs noch mit. Auf Glückwunsche zum Nachwuchs reagiert man mit bescheidener Freude, auf Besuchsanfragen von Verwandten und Freunden stimmt man stillschweigend zu und auf die „Wie geht´s euch?“- Frage antwortet man stets das, was die Leute hören wollen:

„Ach ja, ganz gut.“

In dieser Welt ist es als Mama (auch als Papa) nicht vernünftig, wenn man einfach mal sagt, was man denkt und wie man sich fühlt.

Es gibt Tage, da hat man keine Lust eine Mama zu sein. Ich weiß nicht, ob sogenannte glücksbegleitete „Anfängerbaby“- Mamis genau so fühlen.

Wenn man dann doch mal kurz winkt und sagt, dass es wirklich anstrengend ist, dann bekommt man immer wieder die selben Antworten:

„Da müsst ihr jetzt durch. Da mussten wir alle durch und haben es auch geschafft.“

„Das legt sich bald.“

„Ach, so schlimm?“

Mensch. Warum fragen die Leute, wenn sie doch eh ihre vorgefertigte Antwort hören wollen und entsetzt sind, wenn sie nicht ihrer Vorstellung entspricht?

Ich kann euch sagen, dass dieses Tabuthema tierisch nervt.

Ja, es ist anstrengend. Und ja, es mag vorüber gehen.

Aber auch als Mama- unabhängig davon, dass man sein Kind über alles liebt- darf man fühlen, empfinden und leiden.

Vor allem aber darf man abends auf dem Sofa sitzen und bitterlichst weinen.

Ich bin ehrlich zu mir selbst und stehe zu meinen Empfindungen. Deshalb glaube und hoffe ich, dass sich die eine oder andere Mami ein bisschen besser fühlt, wenn sie meine Zeilen ließt.

Und für alle, die naiv und der Meinung sind, dass Mamas immer freudig durch die Welt ziehen müssen, kann ich sagen:

Manchmal ist es eben alles nicht einfach; es ist härter als jede Arbeit dieser Welt, es dauert länger als sogar die 24 Stunden Schichten, bei denen man anschließend wenigstens Feierabend hat, es ist lauter als bei einem Hausabriss und es ist quälender, als der Schmerz eines Brandmals.

Es bedeutet                Mama-Sein.

 

In diesem Sinne wieder einmal:

Es muss nicht immer Milch sein, gute Nacht und bis spätestens übermorgen. 🙂

So sah es bei uns vor ca. 2 Monaten aus. Das Chaos in der eigentlichen Ordnung.