Die Ruhe vor dem Sturm…

Hallo meine treuen Leser 🙂 ,

an einem Tag wie heute bin ich froh, dass er sich dem Ende neigt.

Daniel hatte einen anstrengenden Dienst und nach nur insgesamt drei Stunden Schlaf am gestrigen Tag, kam er natürlich heute völlig gerädert nach Hause.

Dass hier zu Hause der Feierabend keine Rücksicht auf seine Müdigkeit und seinen Schlafnachholbedarf nimmt, konnten wir drei am Morgen noch nicht ahnen- basierend darauf, dass ich gestern einen wunderbaren und freudigen Tag mit unserem Kleinen hatte.

Lenny hat schon sehr unruhig geschlafen- sein Bauch quält ihn wieder mal extrem. Nachdem er wach wurde haben wir unsere tägliche morgendliche Routine begonnen.

Mama steht als Erste auf, sucht ihre am Abend zuvor irgendwo abgelegte Brille, um anschließend das sieben Minuten ziehende Frühstück für den kleinen Wurm vorzubereiten:

Seine allerliebste 200ml Flasche mit zwei Löffeln Andickungspulver; Dank des vorteilhaften Refluxes.

Anlässlich des knurrenden Magens unseres Sohnes muss die Morgentoilette wie immer im Affenzahn vollzogen werden:

Zähne putzen, dabei Pipi machen ehe man sich noch verliert und den durchwuschelten Zopf- der inzwischen eher der Brutstätte eines Rabenweibchens gleicht- mal eben zu einem nützlichen Düddel formen.

Geschafft. Und nun ab zum Baby, das mich voller Vorfreude auf sein erstes Tagesmahl empfängt.

Jetzt fehlt nur noch die frische Pampers und schon kann es losgehen.

Fast am Ziel meines morgendlichen Marathons angekommen, fällt unserem Sohn beim Neu-Pampern ein, dass er doch noch Pipi machen muss- weil es sich ja so gut ohne den davor liegenden Schutz anfühlt.

Na super. Wortlos betrachtete ich das Spektakel und ließ den Dingen im wahrsten Sinne des Wortes ihren Lauf- bevor ich Lenny wieder in die Augen schaute und er mich schemenhaft nur anzugrinsen vermochte, als würde er genau wissen, was gerade in Mamas Kopf vor sich geht.

So nahm der Tag seinen Lauf, denn insgesamt vier Mal pullerte er heute quer über den Wickeltisch auf meinen jeweils kurz zuvor gewechselten Pullover und weitere fünf mal mussten wir ihn erneut umziehen, da sich sein Reflux wieder in vollstem Ausmaß blicken ließ.

Den Rest des Tages verlebten wir draußen- Baby ab in den Kinderwagen und bei Eiseskälte so weit wie unsere Füße uns zu tragen vermochten laufen; trotz dass er hundemüde war fiel es ihm schwer in den Schlaf zu finden. Weinend auf unserem Arm und unzufrieden mit sich und der Welt, gehen wir davon aus, dass er sich wiederholt in einem der berühmt berüchtigten Schübe/ Sprünge befindet.

Wenn wir nicht weiter wissen, dann schieben wir es immer auf diesen Grund- tröstend mit der Vorfreude darauf, dass anschließend alles gut wird.


Ich fühle mich zurück versetzt in die anfängliche Zeit, die andere als Kennenlernen nutzen während wir sie als Bewältigung durchlebten.

Bewältigung der schmerzhaften Bauchschmerzen, der Anpassungschwierigkeiten- erschwert durch Reflux und Blähungen- und als Bewältigung von traumatisch geprägten Situationen im Krankenhaus.

Kennt ihr das, wenn einige Menschen in eurem Umfeld plötzlich nicht mehr so präsent sind, wie vor der Geburt eures Kindes?

Wenn man, so wie wir, ein temperamentvolles Baby hat, das all der Aufmerksamkeit, Liebe, Energie und Kraft bedarf, dann ist man froh abends seine Ruhe zu haben. An guten Tagen freut man sich dann widerrum über Besuch, dessen Anwesenheit man um so mehr zu schätzen weiß.

Verständnislosigkeit und Intoleranz gegenüber weniger flexibler Unternehmungen (als andere Bekannte mit Baby), seltenen Rückmeldungen und Lebenszeichen, sowie fehlender Empathie bezüglich des etwas anderen Lebensablaufs mit kleinem temperamentvollen Sprössling, sind nervig und machen alles noch stressiger und schwieriger.

Jeden Tag sind wir damit beschäftigt, das Wohl unseres Sohnes, dessen bisheriges Leben eher schwierig und weniger freudsam für ihn ist, in den Vordergrund zu stellen, uns weniger Gedanken um den plötzlichen Kindstod zu machen und einen Weg zu finden, ihm seine Tränchen von den Wangen zu wischen.

Wenn er fremdelt, dann fremdelt er und wir setzen ihn somit nicht seinen Ängsten aus, indem wir mit ihm von Haus zu Haus fahren- unabhängig davon wie sehr wir uns auch so eine Abwechslung wünschen- vor allem für Lenny.

Wenn er schlecht drauf ist, dann beruhigen wir ihn lieber, anstatt Besuch zu empfangen, für den wir ohnehin keine Zeit haben.

Wenn man dann doch mal irgendwo auftaucht, dann wird man freudig empfangen und erhält den Hinweis (wenn man sich nicht im Vorfeld bereits selbst dafür entschuldigt), dass auf der linken Schulterseite unseres Pullovers eine Ladung von Lennys Retouré sein Unwesen treibt. Vom Anblick her könnte man an dieser Stelle auch denken, wir hätten unter einem Taubenbaum gestanden; wohingegen der Geruch eher dem einer gequetschten Banane gleicht- gekoppelt mit einem Hauch von Magensäure.

Ja- es ist da; und ja- es kommt noch viel mehr dazu. 😛

Die sozialen Kontakte kommen oft und leider viel zu kurz- aber man hat niemanden um sich herum vergessen, zählt immer noch auf seine Familie und Freunde- besonders in der anstrengenden Zeit.

Ihr wisst wahrscheinlich, wovon ich spreche, wenn ich behaupte, dass bei uns eben alles anders ist als „Normal“.


Das Leben wird schon ordentlich auf den Kopf gestellt, aber worüber können wir als erwachsene Menschen uns schon beschweren- denn schließlich sind unsere kleinen abhängigen Minimenschen eher davon betroffen, ihre Welt immer wieder neu verstehen zu lernen.

An einem Tag wie heute kommt man also vom abendlichen Spaziergang, voller Euphorie darauf, dass der Kleine nach der Flasche hoffentlich schlafen kann, um am Ende doch den freudigen Anblick zu erleben, dass die Räder des Reifens voller Hundescheiße sind.

In diesem Sinne wieder einmal:

Es muss nicht immer Milch sein, schlaft gut und bis übermorgen (denn ab morgen startet endlich mein Rückbildungskurs 😉   )

 

 

 

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