Hart, aber herzlich!

Guten Abend meine lieben Freunde, Leser, Mamis und Papis  🙂

Nun sitze ich wieder in meiner gewohnten Umgebung, an meinem gewohnten Platz und in der gewohnten abendlichen Stille – ich traue mich schon kaum, es tatsächlich nieder zu schreiben und auszusprechen, aber manchmal im Leben gilt es ein gewisses Risiko eingehen zu müssen.


Meine gestrige Abwesenheit begründete sich- wie im Vorfeld in meiner alltäglich unveränderten Abschiedszeile bereits erwähnt- durch meinen ersten Tag Rückbildungskurs im Kreise von frischgebackenen Mamis.

Bisher kannte ich nur den sogenannten Geburtsvorbereitungskurs, an dem ich im heißen Vorsommer mit vor mir her schleppender dicker Kugel teilnahm, dessen rhythmische Bauchbewohner- Tritte mich oft daran hinderten, die uns vorgegebenen Boden- und Atemübungen durchzuführen- schweigend darüber wie idiotisch ich mir vorkam als ich vor allen anderen Mamis lauthals ein- und ausatmen sollte um die mir bald bevorstehenden Geburtswehen „weg zu atmen“ .

Kaum angekommen im Wartebereich der Hebammenpraxis, lauschte ich den Gesprächen der mir unbekannten Neu-Mamas.

Es war irgendwie süß, denn viele kannten sich aus vorab besuchten Kursen nur als hochschwangere Beuteltiere und konnten es allein mit Mühe erwarten ihre neuen Erlebnisse bezüglich des Lebens mit Baby gegenseitig auszutauschen.

„Und, wie geht´s euch so?“, frage Mami a) ganz neugierig Mami b).

„Uns geht es super.“, antwortete Mami b) mit funkelnden Augen voller Freude und Stolz- bevor sie ergänzte: “ Wir haben so ein…. Anfängerbaby.“

Tarnend spielerisch am Handy rutschte mir der Kloß in meinen durch den Schal bedeckten Hals.

Anfängerbaby. Da war es wieder. Das Wort dessen Bedeutung mich verfolgt.

Gibt es um mich herum denn nur Neu-Eltern, die nicht wissen, was es bedeutet vor dem Herausziehen des Autoschlüssels aus dem Zündschloss mindestens zehn Mal zu schwitzen, drei Mal fast in die Hose zu machen und fünf Mal zu überlegen ob man aussteigt oder doch lieber noch eine Runde fährt- weil das Baby so lieb und ruhig schläft?

Die erste Hürde geschluckt, bin ich also völligst motiviert in die Vorstellungsrunde gestartet; weniger erstaunt darüber, wie frisch alle Frauen Mamis geworden sind (Oktober und November), sondern eher verblüfft über deren Gelassenheit und Vitalität in ihren Gesichtern.

Als ich an der Reihe war, stellte ich mich wie folgt vor:

„Hallo. Mein Name ist Mona, ich bin 28 Jahre alt und habe meinen Sohn Lenny im August geboren.“ Schnell fielen mir die fragenden Blicke auf, deshalb schoss ich hinterher: “ Und ich bin nur so spät dran, weil meine Geburtsverletzung schlecht verheilt ist UND weil ich ein sehr temperamentvolles Kind habe.“

Dass ich damit eine Laola- Welle unter den Mama-Witzen startete, war mir nicht bewusst, denn die mir unbekannten zirka 10 bis 12 Mamas inklusive der für mich neuen Hebamme begannen herzlichst zu lachen.

Eigentlich wollte ich nicht witzig sein- es war mein Ernst.

Aber gut.

Die erste Stunde Rückbildung war alles in allem toll ; ich habe die mir vorgegebenen Übungen gemacht und trotz, dass ich mich manchmal fühlte als wäre ich Teilnehmerin  im überholten Videodreh zu „Call on me“ , war es Balsam für meine Seele endlich Mal etwas für mich zu tun.

Obwohl man alles nur noch unter voltgeladener Hochspannung erledigt und abarbeitet ( sei es Wäsche waschen, essen oder Zähne putzen; ganz abgesehen von meinem letztens berichteten Wocheneinkauf  :/  ) , habe ich versucht nicht darüber nachzudenken, ob es meinem Mann Daniel und unserem Sohn Lenny gut geht- denn ich weiß eigentlich, dass sie ein eingespieltes Team sind.

 

Zu Hause angekommen war der Kleine gerade dabei, seine über alles geliebte Abendflasche zu trinken und ich erfuhr relativ schnell, dass Daniel und Lenny spaßige und tolle andertalb Stunden zusammen hatten.

Im richtigen Schlafanzug und Langarmbody brachte Daniel ihn anschließend in sein gemütliches Beistellbettchen, wo er sich schlummernd in seine Träume pupste.


Aus irgendeinem Grund saß ich abends traurig und weinend auf dem Sofa. Ich fand es unfair, dass andere Mamis, denen ich begegne, immer von ihren entspannten Babys erzählen- wohingegen ich mich dabei fühle als wäre ich der Looser vom Dienst, dessen Schuld es sein könnte – weil ich nicht gestillt habe- einem oft von Problemen behäuften Jungen das Leben geschenkt zu haben.

Völliger Blödsinn- ich weiß. Aber dennoch bin auch ich manchmal einfach ohne Autopilot unterwegs und verfluche das Schicksal darauf, dass es unser kleiner Schützling im Gegensatz zu den vielen „Anfängerbabys“ so schwer hat.

Bauchschmerzen, Verstopfung, ständiges Spucken und die intensiven Entwicklungsschübe- begleitet von Sab- Tropfen, Kümmelzäpfchen, Pups- Globulis, Plazenta- Globulis, Andickungsmittel und Schlabberlätzen, sind häufige Gründe für die gerechtfertigte Unzufriedenheit des Kleinen.

Um so mehr fällt uns ein Stein vom Herzen, wenn wir an Tagen wie heute sein Lächeln sehen, seinem Gebrabbel zuhören und hautnah dabei sind, wenn er seine Füße entdeckt um sie vielleicht bald schon mit dem eigenen Mund erkunden zu können.

„Bringt eure Kinder ruhig mit, ich schunkel gerne eines- falls ihr keinen Babysitter habt.“, sagte die Hebamme gestern.

Inmitten der durch Kopfgenicke zustimmenden Neu- Mamis saß ich und für mich war sofort klar, dass temperamentvolle Babys sich sicherlich nicht von jedem Menschen dieser Welt schunkeln und beruhigen lassen 😉

Ich lasse ihn also besser zu Hause.

Um nun endlich meine inzwischen kalten Pizzabrötchen vom Imbiss unseres Vertrauens, deren Lieferant bei der Häufigkeit des Anlieferns zu uns demnächst zusätzlich als Belohnung einen Kaffee to go auf´s Haus bekommt, verschlingen zu können, komme ich letztlich zu dem Schluss:

Wir sind stolz zu wissen, dass das Lachen unseres Sohnes von tiefstem Herzen her kommt, das Weinen als Ausdruck seines Unwohlseins in unseren Armen Trost findet und besonders sind wir stolz darauf, einen Sohn zu haben, der uns bedingungslos liebt und der trotz seiner anstrengenden Phasen unser größtes Glück, schönstes Geschenk und die Liebe unseres Lebens ist.

Wie Daniel gestern so schön sagte, als die Erschöpfung meinen Gemütszustand ein wenig überrante:

Wir geben ihm all unsere Liebe, all unsere Aufmerksamkeit und all unser Vertrauen. Er weiß das und er liebt uns dafür. Jedes Lächeln ist für uns ein Triumph, jedes Gebrabbel ein Seelenkuss und jedes spätere „Ihr seid die Besten“ unser Leitfaden.

 

In diesem Sinne wieder einmal

Es muss nicht immer Milch sein, gute Nacht und bis morgen  🙂 😉

Besser, als erst um 15.45 Uhr zu Frühstücken 😉

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