Augen zu- und durch!

Guten Abend liebe Mamis, Papis, werdende Mamis und alle anderen da draußen 🙂

Wieder ein Tag vorbei, an dem sowohl die Sonne draußen am Himmel hell leuchtete, als auch die Augen unseres kleinen Frosches.

Ich feiere Momente wie den heutigen, denn es sind genau die, an denen Lenny versteht, warum Mama und Papa ihm dieses tolle Leben schenkten- außerhalb von Bauchschmerzen, Zahnungsbeschwerden und Verdauungsproblemen-  aber unverzichtbar auf die ständige Retourkutsche seines Refluxes.


Am heutigen Mittag ist mir in einer ruhigen Minute ein erneuter Hilferuf in´s Auge gefallen.

Eine junge Mama, dessen Verzweiflung im Hinblick auf ihr permanent schreiendes Mädchen zu eskalieren drohte, sucht einen Ausweg. „Ich bin kurz davor sie abgeben zu wollen und das erschreckt mich. Bitte helft mir!“, waren ihre Worte in einer `Social Network Gruppe´, der ich ebenfalls folge.

Sie beschrieb ihre Ausweglosigkeit und Niedergeschlagenheit, als hätte die Nachricht noch vor ein paar Wochen von mir sein können. Das Trübsal in ihren Worten und die Hoffnungslosigkeit bezüglich ihrer nicht schlafen wollenden, nur schreienden und nicht zu beruhigenden 12 Wochen alten Tochter, musste allerdings für jemanden, der ihr wirklich helfen kann, nachempfindsam sein. Die Bezeichnung des Gemütszustandes ihrer Tochter definierte sie unter dem Begriff eines Schreikindes- woraufhin die darauf folgenden Antworten weniger positiv einredend waren.

Man behauptete mehrmals, es gäbe keine Schreikinder und sie müsse einfach ihrer Überforderung als Neumama Stand halten und die normale Zeit eines frisch geborenen Babys überstehen.

Wieder andere gaben ihr Tipps bezüglich der Einschlafförderung, darunter Föngerausche, Naturgeräusche, herztonähnliche Laute abzuspielen, Tragetuch nutzen und vieles mehr.

Als wir diese Phase durchgemacht haben, suchten wir ebenfalls überall Rat und waren für jeden Tipp dankbar. Dennoch scheint die Hoffnung, die man sich als diesmal endgültige Lösung vorstellt, im Winde zu verwehen- denn nichts klappte.

Dass man als Eltern eines temperamentvollen Babys, auf das man sich 40 Wochen gefreut hat, am Rande des Wahnsinns steht, wenn der kleine Schützling nicht zu beruhigen ist, scheint mir für andere wenig nachvollziehbar.

Dieser ewige Spruch, dass dies ein normales Verhalten aller Neugeborenen sei und man sich erst „neu in den Alltag einfinden“ müsse, ist totaler Schwachsinn. Natürlich steht man mit einem Baby vor der Umstrukturierung des bekannten Alltags, aber doch nicht ernsthaft unter dauerhaftem Geschrei.

Der einzige Punkt, an dem ich all den – so erfahrenen- Anfängerbaby-Mamas in ihren Aussagen zustimmen kann, wenn sie ihren Trost aussprechen wollen, gegenüber denen, die es nicht so einfach haben, dann ist es der, dass man tatsächlich nach unzähligen diagnostischen Ausschlüssen einer Krankheit die Zähne zusammen beißen und im Sinne seines Säuglings „einfach da durch“ muss.

Selbst heute, nachdem sich alles einigermaßen händelbar bei uns eingependelt hat, wissen wir morgens nicht, wie wir unseren Lenny abends am besten zum Schlafen bekommen.

Denn die- ein paar Tage oder manchmal auch Wochen- funktionierende Taktik kann plötzlich an einem Abend doch nicht mehr umzusetzen sein und schon muss man erneut sein Einfallsreichtum durchwühlen und einfach ausprobieren.

Anfangs haben wir Lenny oft in eine Decke „gepuckt“. Er liebte es und fand darin wenigstens ein paar Minuten Schlaf. Nach und nach gefiel es ihm nicht mehr und wir mussten uns etwas Neues einfallen lassen, dies erstreckte sich von in -den- Schlaf- schunkeln, über laufende Föngeräusche bis hin zum auf- den -Popo -klopfen, um die Magen- und Darmkrämpfe zu lösen.

Jeder Tag beginnt anders und jeder Tag endet entsprechend auch anders.

Ihr könnt sicherlich nachempfinden, wenn ich euch erkläre, dass man erst ein gewisses Selbstvertrauen erlangen muss- nicht zuletzt das Vertrauen in seinen Säugling mit einbezogen- um instinktiv zu entscheiden, wie ein kleiner Frosch am besten zu beruhigen ist. Dieser Aspekt betrifft wohl alle Mamis und Papis- unabhängig vom Aufwand der verschiendensten Charaktere ihrer Sprösslinge.

Lenny war viel im Tragetuch und verbringt auch heute noch eine gewisse Zeit des Tages auf unserem Arm.


Wenn wir heute einiges verstehen können- dann ganz besonders, dass sich jedes Baby unterschiedlich entwickelt und vor allem unterschiedliche Bedürfnisse hat. Die einen Winzlinge entdecken ihre Selbstständigkeit, wohingegen andere sehr sensibel sind und die Nähe von Mama und Papa brauchen.

„Es geht vorbei“, ist wohl der schlimmste Trost, den man Eltern eines temperamentvollen Säuglings – trotz gut gemeinter Absicht – geben kann. Heute weiß ich, dass es besser wird, aber in einer solchen nervenzerreißenden Situation in Abhängigkeit zu der Liebe, die man für sein Kind empfindet, ist der einzige Trost die Gelassenheit des Babys.

Ich kann euch aus meiner bisherigen Erfahrung sagen, dass es tatsächlich besser wird- allerdings nur dann, wenn man sich auf die Situation einlässt und ganz besonders nicht vergisst, die momentane Gefühlssituation des Säuglings in den Vordergrund zu stellen und weniger die eigene.

Haltet zusammen, wechselt euch ab und versucht nicht, mit anderen bilderbuchähnlichen Familien mitzuhalten, denn ihr habt eure eigene und die gilt es aufzubauen.

Wenn ihr keine Kraft für Familienbesuche, Freundesbummel oder Telefonate habt, dann ist es euer gutes Recht darauf zu verzichten- in der Verlässlichkeit auf die Leute und Familienangehörigen, die trotz alle dem jederzeit hinter euch stehen.

Wenn ihr euch beschissen fühlt, dann versteckt euch nicht und gebt eure Verfassung offen zu.

Macht, was ihr für richig haltet; vertraut euch und eurem Baby.


Ich liebe den Abend, denn dort kommen alle zusammen, die Ruhe kehrt ein  und neue Erlebnisse des aktuellen Tages brennen sich in das Gedächtnisregal der Erinnerungen ein.

An manchen Tagen fülle ich den Ablauf mit Stunden um ihn zu überstehen-

doch an vielen Tagen fülle ich 24 Stunden als Mama mit Leben.

Inzwischen machen mir die meisten Tage sehr viel Spaß und ich erhalte den Lohn unserer Mühe immer öfters auf unbezahlbare Art und Weise:

Das Lachen und die Freude in den Augen unseres Sohnes.

 

In diesem Sinne verabschiede ich mich alt bekannt mit den Worten:

Es muss nicht immer Milch sein, schlaft schön und bis übermorgen (denn morgen steht wieder Bodenturnen auf dem Programm) 😉

 

Es geht halt nicht ohne seine Reviermarkierung 🙂

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