Momentaufnahmen…

Und auch heute wünsche ich all meinen treuen Begleitern einen tollen guten Abend 🙂

Wenn es draußen schneit, dann freue ich mich besonders auf die Zeit, in der unser Sohn alt genug ist und uns morgens mit seinen Patschehändchen im Gesicht rumtatschelnd- eifrig und aufgelöst zugleich voller Euphorie in seinen Gedanken- zu wecken versucht, um den größten Schneemann der umliegenden Nachbarschaften zu bauen.

Das für ihn fertig angezogene Outfit, bestehend aus Schlafanzug, Gummistiefeln für die sich darin befindenden nackeligen Füße ohne Socken, Handschuhe, Schal und Mütze, steht bereit um in Windeseile den Weg nach draußen zu finden und den Schnee mit all seinen möglichen Nutzungsvarianten vollends überzustrapazieren.

 

Wenn draußen die Sonne scheint, dann freue ich mich darauf, dass er uns bald bei der Gartenarbeit begleitet und mich wahrscheinlich im Minutentakt von meinem Tun abhält, weil er alles möglich greifbare vom Boden erstmal mit dem Mund inspizieren muss- ehe er es als neues Sichtbares der großen Welt dazu zählt.

 

Wenn es regnet, dann kann ich es ebenfalls kaum erwarten, bis er zusammen mit uns und seinem eigenen kleinen Regenschirm voller Stolz mit Matschanzug und Regenschuhen die Pfützen als Trampolinersatz nutzt, nur um zu erfahren, welche Auswirkungen das sich auf der Straße gesammelte Wasser in Verbindung mit seiner Sprungkraft haben kann.

Das anschließende Baden- und zwar mit so viel Schaum, dass er nicht einmal mehr seine Finger sehen kann- wird ihm bestimmt und hoffentlich große Freude bereiten.

 

Wenn ich Kinder sehe, die auf ihrem Laufrad vom Schildkrötenknüppel in den Hasengang geschaltet haben und mit einem Affenzahn die Wege unsicher machen, dann kann ich mir gut vorstellen, wie oft ich später einmal Sorge trage, wenn Lenny mit Schürfwunden und getrockneten Tränen immer wieder neu den Versuch startet, jedesmal eine Stufe schneller zu werden.


Erst heute wurde ich von einem neuen Postboten, als ich ihm zusammen mit unserem Sohn auf dem Arm die Tür öffnete, daran erinnert, was wirklich wichtig ist.

„Oh, wie alt ist der Kleine?“ , fragte er voller Freude in seinen Augen.

“ Fast fünf Monate.“, antwortete ich ihm.

„Genießen Sie die Zeit, denn die Kleinen werden so schnell groß. Meine Tochter ist nun schon 5 Jahre alt und ich kann kaum glauben, wie rasend die Zeit vergangen ist.“

„Ja, das stimmt wohl; wobei ich eigentlich genau dieser Zeit entgegen fiebere, denn dann sind die quälenden täglichen Bauschmerzen hoffentlich um einiges weniger geworden und der Kleine darf endlich verstehen, warum Mama und Papa ihm sein Leben geschenkt haben.“, hielt ich gegen.

„Das kenne ich noch sehr gut. Wir hatten auch lange Zeit Probleme mit unserer Tochter- die ersten drei Monate hatte sie ständig diese Koliken und weinte immer nur. Man fragte sich „Was hat das Kind bloß?“ und konnte absolut nichts machen. Nach einem halben Jahr ging es immer besser und heute ist sie ein fröhliches Kind!“ , begegnete er zurück.

„Sie kennen das also? Es ist furchtbar. Schlimm für die Eltern, aber noch schlimmer für die kleinen Babys. Es beruhigt mich, dass Sie unsere Erfahrungen hinter sich haben und heute solch ermutigende Dinge sagen können.“, gab ich ihm als Antwort, ehe ein herzlichstes Dankeschön meinerseits für diesen netten zwischenmenschlichen Austausch unserer Verabschiedung galt.

Nachdem ich die Tür schloss, erzählte ich Lenny, dass ich sehr froh bin, solch einen netten Menschen getroffen zu haben- trotz, dass unser Baby mich wahrscheinlich noch nicht so ganz verstehen kann.

Der weitere Tagesablauf mit unserem Sohn hielt uns natürlich wie gewohnt auf Trab, sodass die Worte des Postboten zugegebenermaßen für eine gewisse Zeit in den Hintergrund gerückt sind, denn ich widmete mich wieder voll und ganz den Wünschen und Bedürfnissen unseres Minimenschens.

Als wir noch fix in die Drogerie gefahren sind, um notwenige Windeln und Gläschen zur Einführung der Beikost für ein temperamentvolles Baby zu besorgen, das es uns zur Zeit neben meinen schlechten Kochkünsten (wohl bemerkt) nicht ermöglicht, die notwenige Nahrung mit all ihren Nährstoffen richtig und selbst zuzubereiten, begann es in der Dunkelheit der Abenddämmerung am Himmel zu leuchten- schnell war uns klar: Es gibt Schnee.

Lenny schlief auf dem Rückweg unter dem postiven Effekt der bauchschmerzlindernden Fahrtbewegungen ein; ich öffnete das Verdeck seines MaxiCosis mit der Hand, die nicht die frisch gekauften Kümmelzäpfchen hielt und beobachtete ihn beim Schlafen, ehe wir unser zu Hause erreicht hatten.

Anschließend nahm ich ein Ereignis wahr, das mir die Worte des Postboten parallel zu meiner kindesähnlichen Freude darüber wieder direkt in die aktuellste Schublade meiner zuletzt gespeicherten Worte eines anderen Menschens in meinem Kopf katapultierte:

Unser kleines Baby wurde wach, nachdem ich ihn aus dem Auto holte und vergaß, das Verdeck wieder hervor zu ziehen,

–> weil ihm die erste Schneeflocke seines Lebens direkt ins Gesicht gefallen ist und wie ich später im Licht feststellte genau auf seinen Wimpern Platz nahm.

„Man muss die Zeit genießen, denn sie werden so schnell groß.“, sagte mir der Paketlieferant drei Stunden zuvor.

Ja, er hat Recht.

Denn Lennys Reaktion auf die ihm unbekannten, kalt herabfallenden und ihn nass machenden Schneeflocken war ein Herzensgeschenk an meine Mama- Seele.

Er wunderte sich, schaute mich an und wusste durch meine Reaktion keine Angst bezüglich der neuen Situation oder keinen Ärger darüber zu verspüren, dass er geweckt wurde (denn eigentlich ist er ein kleiner Morgenmuffel)- im Gegenteil: ich sah in seinen Augen, dass er mir vertraute und sich meiner Freude anschloss.


Dass Lenny irgendwann einmal so weit ist um viel aktiver am Miteinander teilzunehmen, weiß ich inzwischen genau so, wie ich mich darauf freue, wenn er alles richtig erleben kann.

Heute habe ich aber eines gelernt- und damit gebe ich dem Paketboten eine große eigene Schublade in meinem Kopf:

Es sind die kleinen Dinge im Leben, auf die es ankommt.

Als kleine Dinge würde ich an meiner Stelle nun sowohl meinen Sohn aufgrund seines kleinen und abhängigen Daseins einschließen, der für uns das größte Glück und Geschenk darstellt, als auch solche Momente, die man deshalb schnell übersieht, weil man nur den großen Augenblicken entgegen fiebert.

 

In diesem Sinne-

Es muss nicht immer Milch, schlaft gut und bis Sonntag! 😉

 

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