Spieglein, Spieglein…

Guten Abend meine lieben Leute, 🙂

heute ist mir wieder genau das bewusst geworden, was von mir einst als völlig übertriebene Melancholie angesehen und gedeutet wurde.

Seit ich Mama bin, verstehe ich mehr und mehr das gehäufte Auftreten der Aussage, Mütter und Väter könnten von ihren Babys lernen- nicht nur wie die Masse der Gesellschaft meinen mag (und dazu zählte ich mich bis vor fünf Monaten auch noch), Babys von ihren Eltern.


Ach wenn du nur wüsstest, wie oft ich dich ansehe und beobachte. Selbst wenn du denkst, du könntest an mir vorbei huschen während ich in meinem Dschungel spiele, nehme ich dich wahr.

Ich sehe dich. Du beeilst dich und hast plötzlich ein Handtuch auf dem Kopf. Jetzt weiß ich es glaube ich. Du warst baden. Also, das schnelle Baden ohne liegen. Da, wo man stehen kann. Zumindest erklärst du mir das immer so wenn wir Papa im Badezimmer besuchen, weil ich jedes Mal wissen will, woher das tolle beruhigende Geräusch kommt.

Dann sagst du nämlich, dass das Wasser ist; so wie das Wasser, wo ich immer Planschi mache mit meinem Pinguin aus dessen Bauch auch immer Wasser raus läuft.

Wasser kann man nicht in die Hand nehmen und es greifen, das weiß ich schon. Immer wenn Papa den Pinguin kitzelt, dann kommt das Wasser aus seinem Bauchnabel und ich schaffe nie, es aufzufangen.

Warum beeilst du dich denn immer nur so? Ich spiele mit Sophie, der Giraffe und Johnny, dem Affen. Sie passen auf mich auf und es macht Spaß, sie mit den neuen Steinchen in meinem Mund zu beißen.

Zähnchen, nennst du sie immer- und sagst, es kämen noch mehrere dazu.

Das möchte ich nicht, sie tun mir weh und jucken so sehr; deshalb freue ich mich jedes Mal, wenn du die kleinen weißen Kügelchen in meinen Mund legst und danach ein leckeres Zeug auf mein Zahnfleisch schmierst, denn das hilft mir.

Ganz oft lachen wir dabei zusammen. Aber erst ich. Du machst nämlich komische Geräusche, wenn ich froh bin, dass ich das Jucken meiner neuen Zähnchen stillen kann, indem ich sie auf deinen Finger drücke. Ich glaube, dass es dir weh tut. Aber ich muss immer lachen, weil du danach ganz schnell deine Finger aus meinem Mund nimmst und quietschst.

 

Manchmal singst du auch. Das liebe ich, weil ich das aus deinem Bauch kenne. Jeden Abend vor dem Einschlafen zeigt ihr mir schwarze und weiße Bilder auf einer Leinwand und ihr erklärt mir, dass ich da in deinem Bauch war.

Ich erinnere mich- es war schön dort. In einigen Momenten schaffst du es, mir wieder das Gefühl zu geben, dass ich nach wie vor dort bin. Du kuschelst mich ganz eng in meine Lieblingsdecke ein, wenn mir das Einschlafen am Mittag schwer fällt, weil mein Bauch mir so weh tut- und durch das gleichzeitige Schunkeln schlafe ich ganz schnell und gut ein.

Diese blöden Bauchschmerzen. Sie tun mir so sehr weh. Kannst du sie wegpusten? So, wie du meine Beule am Kopf letztens weggepustet hast, als ich auf deinem Arm mit Papa rumgekaspert habe und aus Versehen mit meinem Kopf auf deinen Zahn gestoßen bin. Das tat auch weh, aber nur ein bisschen. Dann hast du gepustet, obwohl du auch Aua hattest, und schwubs war alles wieder gut.

Vielleicht klappt es ja auch bei meinen Bauchschmerzen. Lass es uns versuchen. Bitte. Vor allem Abends, wenn ich im Bett liege und schlafen möchte, dann tut er weh. Ihr helft mir aber immer gut, wenn ihr mir auf den Popo klopft, damit ich pupsen kann. Irgendwann schlafe ich dann ein, bekomme noch einen Kuss von dir und weiß ganz genau, dass du mich nicht lange alleine lässt. Der kleine Zeiger rutscht zwei Zahlen vor, dann kommst du. Und wenn Papa zu Hause ist und nicht auf der Arbeit- da wo TatüTata ist sagst du mir immer- dann kommt er auch mit und wir liegen alle drei zusammen im großen Bett.

Manchmal träume ich schlecht- so wie Papa. Aber dann bist du da und tröstest mich. Das finde ich gut, denn so kann ich in deinen Armen wieder gut einschlafen.

Und wenn ich morgens wach werde, dann sagst du immer:“Mami ist noch sooooo müde.“, aber trotzdem lächelst du mich an, nimmst mich in den Arm und wir kuscheln kurz, ehe du aufstehst um mir meine liebste Pulli zu machen.

Wenn die Pampers in der Nacht nachgegeben hat, dann streichelst du mir über den Kopf und erwähnst, dass es nicht schlimm sei. Ich weiß nämlich schon, was dann kommt:

Du nimmst ein Tuch und kitzelst damit über meine Seite, erklärst mir, dass es jetzt ´kalt´wird- so, wie wenn wir zuvor nach dem Aufstehen das Fenster im Schlafzimmer aufmachen um zu lüften. Ich halte kurz die Luft an und danach lachen wir, denn dann wischst du schnell alles wieder trocken und ziehst mich warm an.

Bevor du dich umziehst gibst du mir meine Flasche. Ich habe morgens so einen großen Hunger! Aber ganz oft am Tag kommt die leckere Milch einfach wieder hoch; das verstehe ich nicht. Ständig musst du mich umziehen- wie doof ich es finde, wenn wir immer einen neuen Pullover anziehen müssen. Dann weine ich, weil ich dir sagen will, dass mir genau dieser Vorgang überhaupt keinen Spaß macht. Dazu kommt noch, dass es sich komisch anfühlt, wenn man immer „Spucken“ muss. Papa und du, ihr sagt das immer dann, wenn die leckere Milch wieder aus meinem Bauch hoch kommt. Deshalb heißt es glaube ich so.

Am schlimmsten ist es manchmal- früher noch häufiger- wenn ich liege und mit euch lache. Dann verschlucke ich mich daran, weil ich nicht abschätzen kann, wann es hoch kommt. Ich habe Angst, weil ich keine Luft mehr hole, wenn das passiert. Ihr habt aber auch Angst, das sehe ich. Und deshalb atme ich dann irgendwann auch wieder; vertraut mir.

Es gibt Tage, da wache ich auf und erkenne überhaupt nichts mehr wieder. Alles sieht anders aus, außer ihr. Seid mir also bitte nicht böse und habt mich trotzdem lieb, wenn ich an solchen Tagen am liebsten auf eurem Arm sein möchte und besonders weinerlich bin. Vor allem, wenn ausgerechnet dann, wie letztes Mal, meine Zähnchen gleichzeitig wachsen. Dann möchte am liebsten alle Tage nur weinen.

Dafür freue ich immer sehr darüber, wenn Mami mit mir Mittagsschlaf macht. Sie wartet erst, bis ich eingeschlafen bin, deckt sich danach auch zu, nimmt mich in den Arm und schläft so lange, bis ich aufwache.

Sie ist oft müde, denn nachts schläft sie weniger als früher. Ich werde so oft ein bisschen wach, denn mein Bauch oder ein Albtraum nerven mich, sodass Mami immer ein Auge auf mich hat. Sie könnte ja abends auch mit mir zusammen einschlafen, vor allem wenn Papi arbeiten ist, aber sie hat mir mal erzählt, dass sie meine Flaschen spült und aufräumt, etwas isst und Fernsehen schaut, wenn ich im Heiabett liege. Und wenn Papi zu Hause ist, dann liegen sie meistens zusammen auf dem Sofa und kommen dann doch ganz schnell zu mir, weil sie so müde sind.

Papi macht immer Blödsinn mit mir. Er ist so lustig. Im Gegensatz zu Mami lacht er, wenn ich mit meinen Zähnchen auf seinen Finger drücke. Dann muss ich auch immer so laut lachen.

Aber wenn ich mal weine, dann tröstet er mich, so wie Mama.

Ich beobachte Mami oft, wenn sie Auto fährt, denn dann darf ich vorne sitzen. Ganz oft lache ich dann einfach, weil sie so lustig aussieht, wenn sie ab und zu ganz schnell zu mir schaut und wieder weg. Du erklärst mir dann, dass du Auto fahren und dich auf die Straße konzentrieren musst. Trotzdem versuche ich, Scherze mit dir zu machen.

Du verstehst mich sofort.

Egal was los ist, du weißt, was in mir vor geht. Es gibt Momente, da dauert es etwas, bis du erhörst, was ich dir sagen möchte. Trotzdem muss ich dir sagen, dass du immer dein Bestes gibst.

Genau so wie Papa.

Ich weiß, ihr versteht meine Sprache nicht. Und nichts desto trotz helft ihr mir immer- auch dann, wenn ihr selbst weinen müsst.

Ihr gebt mir eher etwas zu essen, als dass ihr euch versorgt.

Mein Popo ist immer sauber, ihr geht erst dann duschen, sobald ihr mich gut versorgt wisst.

Mein Wohl zieht ihr eurem vor; besonders an Tagen wo wir eigentlich einen Ausflug machen wollten, aber ich mich nicht gut fühle.

Wenn ich mehrere Tage hintereinander traurig bin, dann bleibt ihr stark und haltet durch, weil ihr mich liebt und mich lachen sehen wollt.

 

Ich liebe euch so sehr und vertraue euch.


Wenn man eines von seinen Mini-Menschen lernen kann, dann definitiv, dass eine Mama ihre Kinder auch ohne gleiche Sprache versteht.

Das gegenseitige Urvertrauen und die Zeit des Kennenlernens machen es möglich, sich auf reiner Gefühlsebene der Botschaft des anderen bewusst zu werden.

 

In diesem Sinne heißt es wieder einmal:

Es muss nicht immer Milch sein, gute Nacht und bis bald 🙂

 

 

 

 

 

8 Antworten auf „Spieglein, Spieglein…“

  1. Liebe Mona,
    ich bin in einer schlaflosen Nacht, in der sich mein 11 Wochen alter Sohn wieder nur im Tragetuch beruhigen lies, auf deinen Blog gestoßen und finde ihn großartig. Auch wir haben so ein Energiebündel mit einer lauten Stimme und sind oft am Ende unserer Kräfte. Doch jedes Lachen entschädigt uns wieder. Grüße aus dem schönen Thüringen

  2. Hallo,
    ICH finde deinen Blog einfach wunderschön und er hilft mir meinen 3 Monate alten Sohn besser zu verstehen.
    Mach weiter so !!

    ICH freue mich über neue Geschichten aus deinem Leben mit deiner Familie 😊

    1. Wie lieb von dir, danke!
      Zur Zeit schaffe ich es nicht zu bloggen, hoffe aber, dass es bald weiter gehen kann . Warum ich so lange zu nichts komme, werdet ihr ja in den nächsten Blogs lesen 🙂
      Bleib dran 🙂
      Liebe Grüße, Mona

  3. Hallo Mona,
    ich finde deinen Blog bisher wirklich toll. Deine art zu schreiben gefällt mir besonders. Meine kleine Tochter ist jetzt 7 Monate alt und auch wir hatten keinen einfachen Start.
    Du machst das toll und ich bin mir sicher, dass dein Kleiner dir seine Gedanken genauso sagen würde wie du es hier schreibst.

    Freue mich auf deine weiteren Erzählungen.

    Liebe Grüße

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