Unverhofft kommt oft.

Guten Abend meine lieben Freunde da draußen!

Als ich mit Lenny schwanger war, stand für meinen Mann Daniel und mich so einiges fest. Besonders ich hatte meine festen Vorstellungen davon, wie unser Leben mit Baby, dessen Eingliederung in die Welt hier draußen und unser Alltag mal aussehen soll.

Es war glasklar, dass ich kein Tragetuch wollte, denn- so sagte ich meinem Mann immer, wenn er mich während unserer eifrigen Vorbereitungen und Einkäufe bezüglich des baldigen Lebens mit kleinem Sprössling danach fragte- ich liebte den Gedanken bald keine Vorlast an meinem Körper mehr tragen zu müssen; die Schuhe konnte ich mir wieder barrierefrei selbst anziehen, das Aufheben und Sortieren der Wäsche sollte endlich wieder ohne eingeschränktem Sichtfeld klappen und besonders die Leichtigkeit meines Körpers fieberte ich zu spüren hin.

Als wir Lennys Kinderzimmer kauften, inklusivierten wir das Bett, denn- so war wieder meine Vorstellung als vierfach erfahrene große Schwester, von denen das jüngste Geschwisterkind aktuell noch süße 7 Jahre alt ist- abends ist Elternzeit und je eher er in seinem Bett schläft, umso leichter wird es für ihn und umso schöner für uns als Paar.

Wenn mein Mann und ich abends zusammen auf dem Sofa saßen und er meine dicke aktiv bewegende Kugel mit Anti- Schwangerschaftsstreifen-Creme einrieb, so fachsimpelten wir oft über das, was auf uns zu kommt; inklusive der uns irgendwann bevorstehenden Zahnung unseres noch ungeborenen kleinen Babys. Ich sagte ihm-wieder einmal als erfahrene große Schwester-, dass er sicherlich Fieber bekommt, wenn die Zähne im Anmarsch sind. Aber dagegen gäbe es Zäpfchen und Beißringe, sodass wir diese Zeit schon schaffen werden.

Für uns ist klar: Das zweite Baby planen wir am besten dann, wenn meine Elternzeit um ist und die beiden dann einen Atersunterschied von etwa zwei bis drei Jahren haben werden.


Planvoll planlos.

Manchmal plant man im Leben alles so, dass man denkt, man wäre auf alles gefasst und auf alles vorbereitet.

Nachdem unser Start mit Lenny eher schwierig und an manchen Tagen auch sehr verzweifelnd- nicht zuletzt besonders für unseren frisch geborenen Sprössling- war, pendelte sich irgendwann die Gewohnheit und vor allem der geübte Umgang mit der uns geschenkten neuen Liebe ein.

Mit etwa drei Monaten schlief er die Nächte durch, seine Schreiphasen wurden durch die laktosefreie Milch deutlichst weniger und er verstand immer mehr, wieso er als personifizierter Beweis der Liebe zwischen Mama und Papa sein Leben geschenkt bekommen hat.

Unser Wunschkind entpuppt sich nach und nach zu einem Sonnenschein, der allein deshalb anfangs so viel Verzweiflung und Überforderung in uns auslöste, weil er Schmerzen hatte, denen niemand außer uns Glauben schenken wollte. Er schlief nicht und schrie 16 Stunden am Tag, weil es ihm nicht gut ging.

Er war kein Schreikind- er war hilflos.

Diese Zeit, die gerade einmal etwa vier bis fünf Monate zurück liegt, hinterließ selbstverständlich bei uns dreien deutlich seine Spuren.

Daniel und ich kämpften mit unserem Spagat zwischen unendlicher Dankbarkeit und abgrundtiefer Überforderung. Er musste zwischendurch regelmäßig seinen 24h – Dienst antreten und ließ mich mit dunklen Augenrändern, tränenden Augen, verzweifelter Ungewissheit, professioneller Unsicherheit und einem permanent schreienden Baby zurück.

Während er dabei zusah, wie ich immer mehr abmagerte und an der Sorge um mein eigen Fleisch und Blut zerbrach, so musste ich immer mehr erleben, wie er an der Verunsicherung, uns allein für einen ganzen Tag lang zurück zu lassen, an Konzentration verlor und an Machtlosigkeit gewann.

Daniel und ich lernten zu funktionieren. Lenny lernte nach der Umstellung seiner Kost zu vertrauen.

Wir drei lernten zu überleben.

 

Nachdem alles also mit etwa drei Lebensmonaten unseres Sohnes entspannter wurde, begannen wir endlich als eigenständige Familie unser Leben neu zu sortieren.

Das, was andere Mamis und Papis mit nicht so temperamentvollen Babys, in den ersten Lebenswochen aufbauen, durften wir nun endlich beginnen zu lernen:

Den Alltag mit Baby galt es zu gestalten.

Unsere Hürde war allerdings noch wesentlich größer, denn Daniel und ich funktionierten inzwischen zwar gut als Mama und Papa für unser unfassbar großes Glück- aber als Paar hatten wir uns verirrt.

Wir mussten lernen, an uns zu denken und uns ebenfalls trotz der neu kennengelernten Seiten am jeweils anderen zu lieben.

Abgekürzt kann ich euch so viel sagen: Es war und ist auch manchmal heute noch schwer, sich wieder zu finden. Denn unabhängig von der Liebe, die wir füreinander empfinden, war es höchste Zeit den Endgegner des letzten Levels zu besiegen:

Das Vergessen.

Wir hatten vergessen, warum wir uns liebten und warum Lenny die Gestalt unserer Liebe zueinander wurde.

Durch die Zeit mit ihm begannen wir wieder, gemeinsam zu lachen und endlich durften wir erfahren, wie es sich anfühlt, als Familie auf einem Foto in die Kamera zu lachen und dabei wirklich glücklich zu sein.

Unser Leben pendelt sich ein- so, wie wir es uns vorgestellt hatten, als unser kleiner Minimensch noch wild in meinem Bauch herumpatschelte.

Seine nächtlichen Ruhephasen, seine stets gute Laune und der eingefundene Tagesryhthmus gibt uns die Möglichkeit, den lang ersehnten normalen Alltag einer Bilderbuchfamilie führen können.

Endlich können wir drei zur Ruhe kommen, endlich können wir schöne Zeiten zusammen erleben und endlich können wir auch anderen berichten, dass alles super läuft und genau so ist, wie wir es uns ausgemalt haben.

Die Tage machen Spaß und die Gedanken richten sich nach langer Zeit mal wieder ungefangen an das Leben in der Außenwelt und besonders an das eigene Dasein. Friseurbesuche, freie Zeiten, Städtebummel mit Baby ohne Schreiphasen, allein zu bewältigende Kinderarztbesuche und Einkäufe (die vorher nur zu zweit gingen) und Ausflüge in die familiäre Umgebung standen nun voller Vorfreude auf dem Plan.

Wir konnten starten!

Dass ich mit Lennys Kunst des Durchschlafens immer öfters Probleme hatte, die Nächte aufgrund nervöser Beine (die ich vermehrt in der Schwangerschaft mit ihm hatte) und die Tage entsprechend mit der mir dadurch erklärbaren Müdigkeit rum zu kriegen, hielt mich ein paar Tage lang nicht davon ab, auch nur einen schönen Gedanken an die uns bevorstehende Zeit zu dritt abzuwenden.

Urlaub.

Ausflüge.

Leben.


Lenny wurde natürlich in den ersten drei Monaten fast ausschließlich im Tragetuch getragen, denn nur dort kam er aufgrund seiner uns später bewussten Bauchschmerzen zur Ruhe.

Selbstverständlich schläft er mit seinen heutigen fast acht Monaten noch immer nicht in seinem Bett im Kinderzimmer; im Gegenteil: er ist jede Nacht fleißig damit beschäftigt als kleinster Mensch von uns dreien in unserem Bett den größten Platz einzunehmen.

Die Zähne ließen sich natürlich- wie auch anfangs angedacht- nicht durch Fieber begleiten, denn durch unendliche Bauchschmerzen, mit denen wir heute besonders zu, im wahrsten Sinne des Wortes, Spitzenzeiten geduldige Bewältigungsstrategien an den Tag legen müssen.


Ich habe lange nicht geschrieben; euch oft vertrösten müssen.

Planvoll planlos eben.

Denn so, wie unser Vorhaben und unser anfänglicher Plan mit Baby einen eigenen Lauf genommen hat, müssen wir auch im letzten meiner anfänglich vier angesprochenen Beispielpunkte mit der auf uns zukommenden Aufgabe wachsen.

Denn die nervösen Beine waren keinesfalls ein Streich des Mondes; sie galten als Postbote zu einer Nachricht, die uns- insbesondere mir- erst einmal den Boden unter den Füßen weg zog, nachdem er mich doch endlich wieder hielt:

Unsere Nachricht lautete: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind wieder schwanger.

 

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Abend und verabschiede mich in die nächsten zwei Tage mit den Worten:

Es muss nicht immer Milch sein, schlaft gut und bis übermorgen! 🙂

 

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