Gute Zeiten. Schlechte Zeiten.

Hallo meine geduldigen Leser/- innen,

endlich melde ich mich mit schlechtem Gewissen zurück- in der Hoffnung, dass mir meine doch längere Abwesenheit nicht verübelt wird.

Eure Geduld sei dementsprechend hoch gelobt und wieder mal stehe ich natürlich vollstens in eurer Schuld.

Mal sehen, ob ich sie begleichen kann.

Inzwischen ist Lenny ein Jahr alt, ich bin in der 39. Schwangerschaftswoche und hinter mir und meiner kleinen eigenen Familie liegt eine Achterbahnfahrt der Gefühle, Ereignisse und Pläne. – Dann mal alles auf Anfang:

Bisher habe ich eine (Gott sei Dank) relativ schöne Schwangerschaft mit wenig typischen Beschwerden. Ich bin absolut kein Fan davon, den Tag vor dem Abend zu loben, deshalb drücke ich mich so „dezent“ aus.

Natürlich quälen mich Rückenschmerzen, Luftnot, Sodbrennen und der sich ständig im Weg befindende dicke Bauch (von dem ich auch diesmal wieder längere Zeit verschont blieb).

Die tägliche Herausforderung des Anziehens meiner geliebten rosa Chucks und des Hinterherrennens zu Lenny, sind Luxusprobleme im Gegensatz zu denen, die mich hätten treffen können.

Auch das erschwerte Fußnägel lackieren und Abtrocknen der Beine nach dem duschen sei hier mal außen vor gestellt.

Lenny schläft immer noch in unserem Schlafzimmer. Zwar in seinem eigenen Bett- welches aufgrund des schmalen Türrahmenmaßes und der Dringlichkeit der Höhenverstellbarkeit des Lattenrostes schon insgesamt 6 mal auf und ab gebaut wurde- aber so ganz kriegen wir es nicht hin, ihn von unserer Seite weichen zu lassen. Naja. Wohl eher ich.

Er verbringt die Nächte nach wie vor sehr unruhig, wird oft wach, weint und hat- was auch sonst- quälende Bauchschmerzen und Blähungen. Mal verursacht durch die Zähne (von denen er bis auf 4 Backenzähne inzwischen alle hat) und mal verursacht durch Albträume, das kürzlich und ausgerechnet an seinem Geburtstag aufgetretene 3- Tage- Fieber oder durch sonstige Gründe.

Schübe, Sprünge, Phasen.

Das ewige Thema.

Er krabbelt wie ein Weltmeister, zieht sich an allem stabilen und instabilem hoch, stößt sich ständig den Kopf und langweilt sich, wenn er „nur“ im Buggy sitzt und durch die Gegend geschoben wird.


Und sicherlich wisst ihr inzwischen, dass ich mir zu allem so meine Gedanken mache. Auch diesmal.

Wer schreibt einem vor, wann ein Kind zu laufen hat; wann es „Mama“ oder „Papa“ sagt; wann es in seinem eigenen Zimmer und in seinem eigenen Bett schläft; wann es alleine essen kann oder die Flasche zum Einschlafen nicht mehr benötigt?

Rechtfertigungen bin ich schon lange leid.

Es ist als Mama  (als Papa ein Stück weit auch) durch die Natur vorgesehen, dass das Bauchgefühl und der Instinkt hierbei eine große Rolle spielt.

Nur weil andere ihre Kinder auf ihre Art groß gezogen haben, muss man doch nicht das Gleiche ebenfalls so übernehmen. Bücher, Zeitschriften, Ratgeber. Alles nett gemeinte Tipps, die lediglich der Richtungsweisung dienen sollen- dennoch aber längst nicht der sinngetreuen Übernahme.

Instinkt und Gefühl.

Wieder zwei Komponenten, die in unserer heutigen von mir so verfluchten Wegwerfgesellschaft eine große Rolle spielen.

Kommt man hier denn nur noch klar, wenn man den vorgeschriebenen Leitlinien einer perfekten Ehefrau, Hausfrau und Mutter entspricht? Kann ein Kind nur dann etwas werden, wenn es vergleichbar ähnlich zu seinen Gleichaltrigen heranwächst? Und vor allem: Kann ein Ehemann nur dann ein guter Ehemann sein, wenn er das Zepter in die Hand nimmt, das Geld nach Hause bringt und keine eigenen Gefühle haben darf, weil er ja „ein Mann“ ist?

Ich will nicht außer Acht lassen, dass ich ohnehin eine sehr gedanken- und meinungsfreie Persönlichkeit bin, die sich aktuell nicht zuletzt auch durch ihre schwangerschaftsbedingten Hormone über vieles wundert- aber dennoch sind die Tugenden des Respektes und der Akzeptanz heutzutage unabdingbarer denn je.

 

Kinder dürfen und sollen Kinder sein- die Erwartungen an sie müssten eigentlich gen Null gehen; denn sie beginnen ihr Leben selbst zu entdecken und zu eigenständigen Persönlichkeiten heranzuwachsen.

Durch Regeln und Strukturen- für die wir als Eltern zuständig sind- hilft man ihnen, den Weg in diese eintönige und durch Erwartungshaltungen anderer Mitmenschen geprägte Gesellschaft zu finden; was sie jedoch daraus machen, ist einzig und allein ihnen in ihrer Freiheit überlassen.


Immer öfter erfahre ich, wie viele Partnerschaften und Ehen zugrunde gehen, weil die Belastungen zu hoch sind.

Der Leidensdruck wächst und außer Existenzerhaltung, Kindererziehung und der Grundsicherung der Lebensbedürfnisse schweift der Fokus immer mehr ab.

Wen wundert es?

Wir leben in einer Zeit, in der seit Jahrzehnten KiTa-Plätze fehlen, der Pflegenotstand nach wie vor Thema ist und das Überleben immer teurer wird.

Womit beschäftigt sich unser System also? Natürlich:

Mit der Zeitumstellung.

Welche Zeit sollte man umstellen? Die Sommer- und Winterzeit?

Es nervt mich so sehr, dass es einfach so möglich ist, an der Uhr zu drehen wie man will- weil es „zu unbequem“ sei, alles halbe Jahr den Biorhythmus des Menschen zu verändern- wohingegen die grundlegende damalige Idee dessen in den 70ern darin bestand, Energie einzusparen…

Welches Resümee zieht eine Kommission 50 Jahre später? „Es hat sich nicht gelohnt und wirkt nunmehr eher als lästig. Deshalb schaffen wir die Uhrumstellung ab.“

Wie einfach!

Leute mal ehrlich-welche Zeit muss hier gedreht werden?

Jahrelang kommt man nicht weiter in der endlosen Frage nach genügend Betreuungsplätzen für kleine Kinder, die benötigt werden, damit deren Eltern sich und ihnen einen gewissen Lebenstandard leisten und nicht zuletzt Steuern einzahlen können. Die Pflege mutiert nach und nach zu einem Überlastungsproblem, das sich- empörenderweise!- auf diejenigen auswirkt, die ebenfalls unschuldig darauf angewiesen sind, nachdem sie über Jahre hinweg ihre Arbeit getan und sich einen gewissen repektvollen und altersentsprechenden Umgang verdient haben; nicht zuletzt außen vor gelassen all diejenigen, die aus krankheitsgründen versorgt werden müssen und für die einfach „kein Personal und deshalb auch keine Zeit“ übrig bleibt.

Seit ich denken kann, sind dies unter vielen anderen zwei Themen, die die Regierung beschäftigen. Eine Lösung finden sie nie.

Nie. Vor allem deshalb nicht, weil es einfacher ist, sich mit „Problemen“ zu beschäftigen, die einfacher zu beeinflussen sind.

Eine Uhr- die kann man drehen.

Einen Zeiger, den kann man anhalten.

Ein Problem, das sich eben durch die Einfachheit des Bewältigens absolut nicht einmal als Problem definieren lässt.

Superhelden. Wenn wir uns heutzutage dafür feiern, dass wir nicht mehr eine Woche brauchen um uns an die umgestellte Zeit zu gewöhnen. Stattdessen leben wir lieber immer in der Sommer- oder in der Winterzeit; es wird abends früh dunkel, morgens früh hell (oder umgekehrt) und die Zahl der an Depressionen erkrankten Menschen wird wachsen- eben weil man immer entweder bevorzugt im Dunkeln aufstehen und in den Tag starten- oder den Abend und damit das Ende eines jeden kostbaren Tages (von denen wir alle nur unwissentlich begrenzte haben) durch die früh einkehrende Dämmerung immer eher einläuten muss.

So läuft es heute. Die eigentlichen Probleme werden auf die lange Bank geschoben, während die kleinen Wehwehchen ruhmvoll beseitigt werden.

Teufelskreisbeginn…

Partnerschaften. Ehen.

Scheidungsrate.

Wegwerfgesellschaft.

Fragt man in einer Krise einen alten Senior um Rat, wird er alles daran geben einem zu suggerieren, niemals etwas aufzugeben, was man in guten Zeiten festgehalten hat.

Ich habe gelernt, dass man sich Ratschläge von einem jeden holen kann. Ob Rat oder Schlag dabei raus kommt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Dennoch sollte man bewusst darauf achten, wie der gut gemeinte Tipp des gegenübers entsteht.

Fragt man demnach einen alten Menschen um Rat- in seiner Auswegslosigkeit der heutzutage mit vielen Erwartungen geprägten schlecht laufenden Partnerschaft- wird er einem folgendes sagen:

„Die Zeiten sind nicht immer leicht. Dennoch hat man sich in guten Zeiten ein Versprechen gegeben, das man in schlechten Zeiten- unabhängig von der Dauer derer-  nicht vergessen und einhalten sollte. Lachen können alle Menschen miteinander, weinen allerdings nur die wenigsten gemeinsam. Etwas, das einem zu guter Zeit gut getan hat, sollte man auch in schlechter Zeit ehren- gemeinsam durch und die gute Zeit neu erschaffen.“

In nichts anderem liegt das Geheimnis dafür, dass früher die Ehen bis in die heutige Zeit und trotz des Todes eines Ehepartners hinaus überstanden haben, alte Witwen/ Witwer selbst dann noch treu sind, ihre Eheringe tragen und in Vertretung des verstorbenen anderen Teils das Leben würdevoll zu Ende führen.

Fragt man heute einen etwa sich im mittleren Alter befindenden Mitmenschen um Rat, der sich als Teil der Uhrdrehergesellschaft angeschlossen hat, wird er so beraten, dass alles, was nicht dauerhaft glücklich macht, aus dem Weg geräumt muss.

Und da die Zahl derer, die zu einer anderen Zeit aufgewachsen sind und gelebt haben, in der man um das gekämpft hat, was einem wichtig war; in der man immer einen Sinn gesehen hat und niemals aufgab, nun nach und nach immer weniger werden, bleibt uns und unseren Nachkommen- wenn wir es nicht schaffen auf unser eigenes Gefühl und unseren eigenen Instinkt zu hören- nur eines übrig:

Die Werte, auf die es ankommt, werden vergessen; die Tage und das, was einem gegeben wurde, wird nicht mehr wert geschätzt; das Lästige wird verworfen und der Teufelskreis beginnt.

Kinder werden gleich erzogen und Ehen gehen zugrunde.

Darf man sich als Teil dieser Gesellschaft dann noch ärgern, wenn der Tod einem Mal in irgendeiner Weise zuvor kommt und man vergessen hat, das zu schätzen, was man hatte?

Nun ja. Hauptsache die Uhr kann man drehen…


Wir warten weiter auf Baby Nr. 2, sind nach wie vor sehr ängstlich im Bezug auf das, was uns erwartet und freuen uns aber noch mehr darauf, ein zweites Wunder geschaffen zu haben, dessen jede zukünftige Träne durch ein neues Lächeln getrocknet und vergessen wird.

Unser Sohn hat sich trotz seiner temperamentvollen Art wunderbar entwickelt, zaubert uns tagtäglich ein Lächeln in´s Gesicht und macht uns unendlich stolz. Er lacht viel, erkundet die Welt und es macht Spaß dabei zuzusehen, wie er auf der Basis de Vertrauens in uns seinen Weg beginnt.

Auch wenn es manchmal harte und schwierige Tage gibt, wissen wir, dass wir gemeinsam und geduldig am nächsten Tag vielleicht sogar wieder alles vergessen haben, was uns Kummer bereitet hat.

 

Denn das, was zählt, sind die Sonnenstunden- in der Dunkelheit wird schließlich geschlafen 😉

 

In diesem Sinne verabschiede ich mich wieder einmal und vor allem freudig darüber, dass ich endlich wieder schreiben konnte, mit den Worten:

Es muss nicht immer Milch sein, bis ganz bald und bleibt mir treu!

Mona

39. Schwangerschaftswoche.. Endspurt! 🙂

3 Antworten auf „Gute Zeiten. Schlechte Zeiten.“

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