Alles auf Anfang.

Hallo meine Lieben Mamas, Papas und alle anderen treuen Freunde.

 

Ja- der Tag der Tage kam dann doch ganz schnell. Erst konnte es mir nicht früh genug sein, dann war es soweit und plötzlich hielt ich dieses kleine Wesen in meinen Armen. Völlig unschuldig und abhängig von meinem Dasein.


In der Nacht war Lenny wieder einmal sehr unruhig. Er weinte, wollte nicht alleine in seinem Bettchen schlafen, obwohl sich dieses immer noch in unserem Schlafzimmer direkt neben mir befindet; er träumte schlecht, hatte Durst und die Pampers war auch ständig nass. Daniel und ich konnten ihn gerade beruhigt haben-da fing er wieder an..

Gut, dass wir solche Nächte kennen und es für uns nichts Neues ist, dass Lenny schlecht schläft.

Um 3 Uhr hatten wir den Punkt dann endlich überwunden und unser großer Sohn fand seinen Tiefschlaf.

Nun konnten wir schlafen und mein Gedanke- ehe ich die Augen zu machte- war einzig und allein derjenige, dass ich in einer solchen Nacht unmöglich alleine beiden Kindern gerecht werden könnte. Besonders dann nicht, wenn sie sich gegenseitig wach schreien würden. Ich muss ja immer davon ausgehen, alles allein schaffen zu müssen, denn Daniel ist 24h arbeiten.

 

Um 4 Uhr wurde ich schlagartig wach, denn wie so häufig in den letzten 4 Wochen hatte ich 2 Wehen. Diesmal allerdings waren sie etwas anders. Ich ging auf’s Klo, legte mich wieder schlafen und merkte relativ schnell, dass die Wehen im Liegen doch schon häufiger kamen.

Hundemüde quälte ich mich aufs Sofa- eine halbe Stunde lang saß ich da. Alles dunkel- nur die elektrischen Wachskerzen leuchteten mir ein wenig ins Gesicht.

Es passiert nix.

Wie immer.

 

Um halb 5 wollte ich mich dann wieder schlafen legen; allerdings nur, um erneut festzustellen, dass das Liegen absolut nicht geht.

Ich weckte Daniel, sagte ihm, dass ich glauben würde, es könnte nun beginnen. Er stand mit mir auf, wir setzten uns aufs Sofa und wieder passierte nichts.

Wir beschlossen uns also wieder ins Bett zu legen. Der einzige, der liegen blieb, war Daniel, denn- was auch sonst- ich stand wieder auf. Eine Wehe nach der nächsten sobald ich lag.

Im Wohnzimmer spitzte sich alles zu, selbst im Stand kamen sie nach und nach immer wieder und wurden immer heftiger.

Na wunderbar. Es fühlt sich an, als wäre es erst gestern gewesen- denn der in Vergessenheit geratene Schmerz katapultierte sich sofort wieder in mein Bewusstsein und war ebenso präsent wie vor 13 Monaten.

Ich ging ins Bad, putzte mir die Zähne, zog mich um und weckte Daniel erneut.” Schatz- ich gehe kaputt. Wir müssen los.”

Ich rief Mama an, informierte meine Schwester und als diese um 6 Uhr bei uns eintrudelte um Lenny zu beaufsichtigen, machten Daniel und ich uns auf den Weg.

 

An diesem Sonntagmorgen erreichten wir um halb 7 den Kreißsaal und um kurz nach 9 erblickte unsere Tochter Luna Ende September das Licht der Welt.


 

Lenny nahm Abstand von mir. Er kam uns an genau diesem Tag im Krankenhaus nachmittags mit Daniel besuchen. Er schaute komisch, als er mich mit einem Baby auf dem Arm sah- vor allem weil ich ihn nicht so begrüßen konnte wie sonst.

In der Nacht des gleichen Tages erreichten mich im Krankenhaus immer wieder verzweifelnde Anrufe von Daniel- im Hintergrund mein schreiender Junge- den ich ebenso sehr vermisste wie er mich.

Daniel konnte ihm kaum gerecht werden- Lenny schrie am laufenden Band aus dem Schlaf heraus und ließ sich anschließend nur schlecht beruhigen.

Ich lag in meinem Krankenbett auf der Entbindungsstation, vor mir stillte ich meine Tochter und das Schreien am Hörer versetzte mir Unmengen von Tränen in die Augen, die meine Wangen nur so runter liefen.

 

Ein Jahr lang waren Lenny und ich Tag und Nacht zusammen. Er wusste, dass ich immer da bin. Wenn er traurig ist, wenn er lacht, wenn er hunger hat und wenn er spielen oder kuscheln will, wenn er Schmerzen hat oder nachts nicht schlafen kann.

Ich war immer da.

 

Und nun nicht. Plötzlich war Papa da. Mama blieb zurück im Krankenhaus mit diesem anderen Baby und meine Stimme am Telefon war für ihn- ebenso wie für mich wenn ich ihn weinen hörte- nur noch herzzerreißender.

Es war die Hölle.

 

Irgendwie bekamen die Jungs zu Hause die Nacht um- am nächsten Morgen besuchten sie uns direkt im Krankenhaus.

 

Ich freute mich, denn mein Sohn fehlte mir so sehr.

 

Beide kamen ins Zimmer, ich schaute Lenny an und stellte fest: irgendetwas hat sich verändert.

Lenny nahm Abstand von mir, klammerte sich an Daniel fest und wollte von mir so gut wie gar nichts wissen.

Das Band, welches zwischen uns beiden immer unberührt und deshalb so fest und stabil war, schien mir gerissen zu sein.

Ablösungsprozess?

 

Für mich brach eine Welt zusammen. Einerseits beschloss ich zu stillen, um mein schlechtes Gewissen von letztem Jahr zu beruhigen- denn oft gab ich mir die Schuld daran, dass Lenny solche Bauchschmerzen hatte, weil ich nicht stillen wollte. Andererseits hasste ich es, denn immer wenn ich stillen musste, bemerkte ich wie alles nur noch distanzierter wurde zu Hause. Lennys Blicke, das Schreien seinerseits wenn Daniel nur aus seinem Sichtfeld verschwand und er mit mir und Luna im Wohnzimmer allein saß, das Desinteresse an seiner Mama und der Entzug seiner mir immer so kraftgebenden herzlichen Art, an der ich ein Jahr lang Mitgründer und Teilhaber war, machten mir das Leben zur Hölle.

Man nahm mir alles, was ich in diesem einen Jahr zu meinem Lebensinhalt machte und plötzlich hielt ich ein neues Kind in meinem Arm- mein Kind- und verstand nicht, wieso mein Sohn- für den ich die erste Bezugsperson war- sein Urvertrauen mir gegenüber verloren hat und in meiner Anwesenheit während Daniels kurzzeitiger Abwesenheit an jeder geschlossenen Tür bitterlichst schreiend und weinend zusammen brach- weil er seinen Papa nicht finden konnte während er mit mir in einem Raum saß.

 

Als er dann endlich mal an kam in seiner emotionalen Zerstörtheit, zog er sich kraftlos an meinem Knie hoch- ich stillte Luna – fiel er gegen die Tischkante, stieß sich den Kopf und weinte am Boden sitzend noch bitterlicher.

Mir waren die Hände gebunden. Vor mir Luna auf dem dicken Stillkissen am Trinken und zu meinen Füßen mein Sohn, dessen Vertrauen ich so sehr vermisste, weinend weil die Welt für ihn Kopf steht und er sich zusätzlich noch verletzte. Und jetzt sah er mich wieder mit Luna in einem Moment, in dem er mich brauchte und ich “bevorzugte” wieder ihr Wohl.

 

So muss es für ihn aussehen.

 

Für mich brach eine Welt zusammen. Ich wollte nicht mehr.

Ich vermisste meinen Sohn, ich vermisste die Zeit mit ihm und ich vermisste unseren hart erarbeiteten Alltag.

Alles war anders. Alles lief anders und ich hatte keine Zeit mehr für ihn- selbst wenn ich sie mir nehmen wollte grätschte Luna immer wieder mit ihren Bedürfnissen rein und Lenny musste dementsprechend immer wieder aufs Neue mit ansehen, wie ich ihn hinten an stellte und Lunas Wohl erfüllte.

 

Alles, was mein Leben beinhaltete, war nicht nur durch die Geburt unserer Tochter verändert- nein.

 

Mein eigener Sohn- der ein Jahr lang stets an meiner Seite war und der mir ebenso viel Glück gab, wie ich ihm- war plötzlich so fremd für mich weil ich es für ihn war.

Daniel wurde zu seiner Bezugsperson, er kümmerte sich ja schließlich die ganze Zeit um ihn.

Vor allem nachts, wenn er weint. Nicht nur weil ich mit Luna auf dem Sofa schlafe, sondern auch weil für Lenny “Mama” und “Baby” von nun an zusammen gehören.

 

Zu allem Überfluss musste ich nach einer Woche, in der Luna und ich zu Hause waren, erneut für 7 Tage mit ihr ins Krankenhaus zurück, da sie eine starke Blasenentzündung entwickelt hatte.

 

Wieder mal war ich also nicht zu Hause und wieder einmal mein ständiger Gedanke: Lenny.

 

Daniel hatte Gott sei Dank die ersten 8 Wochen Elternzeit. Somit wusste ich,dass Lenny gut versorgt ist.

 

Aber:

Wie soll Lenny jemals wieder zu mir finden wenn ich ständig gleichzeitig mit dem Baby weg bin und deshalb nie Zeit für ihn habe?

Wie soll er verstehen, dass ich auch für ihn da sein kann und WILL, Wenn er mich überhaupt nicht mehr für sich hat?

Wie soll ich Zeit finden, Wenn Luna mich doch nur für sich beansprucht??

 

Lenny schaute mich kaum noch an, ließ sich weder von mir pampern, essen geben- geschweige denn trösten.

 

Wie sollte ich also irgendwann mal wieder klar kommen? Vor allem mit beiden?


 

Luna hat das gleiche Temperament wie ihr Bruder.

“Die zweiten sind meist ruhiger.”

Wunderbare Aussagen, die sich bis heute jedoch nicht bewahrheiten.

 

Lenny fehlt mir. Obwohl er neben mir sitzt. Mir fehlt die Verbindung zwischen uns.

Ich muss lernen, dass das nun jetzt so ist. Das schlechte Gewissen dabei, dass er denkt, dass Mama ihn im Stich gelassen hat und nun Papa für ihn zuständig ist und Mama nicht mehr, begleitet mich jede Sekunde.

Wie kann ich ihm wieder zu verstehen geben, dass alles so ist wie vorher?

 

Im Moment leider gar nicht.

Denn Luna ist 6 Wochen alt und ich bin erneut mit ihr im Krankenhaus- wegen übermäßigen Schreiens und des Verdachts auf eine Kuhmilcheiweißunverträglichkeit.

Trotz Stillens.

 

Merkt ihr was?

 

Mein neues Leben zu lieben, fällt mir absolut nicht leicht.

Dazu noch die viel zu kurz kommende Partnerschaft, die all dem Stand halten muss. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich aufeinander zu verlassen und trotz fehlender Zuwendung und Zeit füreinander nicht zu vergessen, was man einander empfindet.

 

Ob ich die Zeit vor- oder lieber zurück drehen möchte?


 

In diesem Sinne verabschiede ich mich wieder einmal mit den Worten:

Es muss nicht immer Milch sein- jetzt erst recht nicht mehr- bleibt dran und bis bald! (Entschuldigt die Rechtschreibung und Satzzeichen.. mit Handy und schunkelnd das Kind auf dem Arm im Krankenhaus…) 

 

Eure Mona.

11 Antworten auf „Alles auf Anfang.“

  1. Hallo liebe Mona! Ich habe deinen Blog jetzt erst entdeckt und musste mit einem lachenden und weinenden Auge feststellen das es wirklich noch andere Muttis gibt denen es genau so geht wie mir! Bei meinen beiden Rückbildungskursen war ich auch die Mama mit den temperamentvollen Baby😉 meine Jungs sind auch gerademal 17 Monate auseinander und das zweite Baby war nach einem sehr temperamentvollen Baby auch nicht so schnell geplant. Und ich kann dir voll nachempfinden, mein ältester Sohn und ich waren auch eine unzertrennliche Einheit! Als mein kleiner kam habe ich ihn vier Tage nicht gesehen und als er mich im Krankenhaus besuchen kam konnte er auf einmal so viel mehr als vorher! Zu Hause hat er auch in der ersten Zeit mehr die Nähe von Papa gesucht und war eifersüchtig auf das Baby, was den ganzen Tag schrie. Oh, ich würde noch so viele andere Übereinstimmungen aufzählen 🙈kurz nach der Geburt wieder ins Krankenhaus wegen: Harnwegsinfekt! Ich wünsche dir und deiner Familie weiterhin alles Gute und werde bestimmt öfter mal in deinem Blog lesen☺️liebe Grüße Valentina

  2. Hey 🙂 ich bin dir so dankbar über die letzten Zeilen , die du hier verfasst hast auch wenn sie sehr sehr traurig sind aber genau das machen wir hier gerade auch durch und es tut gut zu wissen das es andere Frauen gibt die genauso fühlen und denke. Außenstehende verstehen oft nicht und geben nicht sehr tolle Ratschläge und Meinungen
    Auch ich empfinde die Zurückweisung von meinem „wunschkind“ als sehr hart und würde mir wünschen es würde bald besser … umso schöner finde ich es jemand gefunden zu haben der ehrlich darüber schreibt mit dem man sich ggf öfter mal austauschen kann 🙂

    1. Meine liebe Annika.
      Gerade der letzte Artikel von mir erntete vieeel Kritik. Ich bleibe mir aber treu und spreche genau die Dinge aus, die sich niemand zu sagen traut und es freut mich- dies ist mein Ziel- dass anderen- insbesondere gerade dir-damit geholfen wird! Meld dich gern- ich schaffe es momentan nicht zu bloggen, aber eine email kriege ich wohl beantwortet!
      Liebste Grüße Mona

  3. Hallo Mona, meine zwei Mädchen haben einen Altersunterschied von genau 1 Jahr und 12 Tagen. Ich war genau nach 3 1/2 Monaten nach der Geburt unserer ersten Tochter wieder schwanger. Nicht ungeplant, aber unerwartet, da es beim ersten Kind eine Weile dauerte, bis es einschlug. Die ersten 2 Jahre waren brutal anstrengend. Insbesondere daher, da mein Mann mich kaum unterstützt hat. Im Gegenteil. Und das erste Kind war und ist extrem lebhaft, das zweite zieht nach. Mittlerweile ist die Grosse 4 und die Kleine 3. Sie streiten und sie lieben sich. Herrlich. Jedenfalls bin ich unendlich dankbar, dass beide einigermassen nach drei Jahren endlich durchschlafen (mehr oder weniger). Mit meinem Mann allerdings hat es nicht geklappt, seine Arbeit war ihm doch wichtiger als das Familienleben. Ich wünsche jedenfalls viel Kraft und Mut. Und ich denke, wenn Gott dachte, ich würde es nicht schaffen, hätte er mir diese beiden Kinder nicht anvertraut….

    1. Liebe Isabelle.
      Vielen lieben Dank für deine Nachricht.
      Dass es bei euch nicht mit der Ehe geklappt hat, tut mir so leid! Leider auch ein Resultat der heutigen Wegwerfgesellschaft…
      Ich komme zur Zeit nicht zum bloggen, denn wenn ich abends mal Zeit habe, dann bin ich froh meinen Kopf mal ausruhen zu lassen.
      Möchte aber bald wieder starten und hoffe,dass das täglich wachsende Alter der Kinder auf meiner Seite ist.
      Liebste Grüße und alles Liebe ♡♡
      Mona

  4. Liebe Mona, erstmal herzlichen Glückwunsch zur Geburt deiner Tochter! Was ich dich aber schon immer fragen wollte, warum hat euch so früh für ein zweites entschieden habt? Grad da Lenny sehr anspruchsvoll ist und die Zeit nicht einfach mit ihm war. Mein Sohn ist im April geboren und ein s.g. Anfängerbaby, trotzdem ist mein Leben seit der Geburt Fremdbestimmt und ich könnte mir so schnell kein zweites vorstellen, wir wollen eins aber ich brauche einfach noch Zeit. Meine Freundin hat im Juni ein Baby mit besonderen Ansprüchen bekommen und zweifelt ob sie überhaupt noch ein zweites will. Vor der Geburt war es noch klar, dass ein Geschwisterchen her muss. Ich hoffe du kommst mir die Frage nicht übel aber ich kann es mir nicht vorstellen, dass man sich gleich ins nächste Abenteuer stürzen möchte 🙈
    Ich wünsche dir , dass Lenny sich bald an die neue Situation gewöhnt und sich alles entspannt und deine Maus bald wieder fit ist.
    Liebe Grüsse
    Nadine
    Ps. Ich habe auch nicht gestillt

    1. Liebe Nadine.
      Wir haben uns nicht für ein zweites „entschieden“. Es war plötzlich da…
      Dies kannst du aber gut in den Beiträgen „unverhofft kommt oft “ und „gut Ding will lange Weile haben“ erfahren.
      Liebste Grüße!

      1. Dankeschön! Als ich in einer schlaflosen Nacht, kurz nach der Geburt, hier gestöbert habe, muss ich es übersehen haben… 🙈 Ich hätte in genau der gleichen Gefühlswelt gesteckt. Hut ab vor deiner Entscheidung! Aber ich hätte die gleiche beim lachen meines Sohnes getroffen. Alles gute mit den beiden Mäusen ❤️

  5. Ich war bis jetzt stille Mitleserin, weil unsere Jungs im ähnlichen Alter sind. Ich hoffe, dass es eurer kleinen Maus gut geht und ihr eine Ursache für das Schreien finden konntet? Und noch mehr hoffe ich, dass Lenny wieder Vertrauen zu Mama gefasst hat und euer gemeinsames Band wieder da ist!

    1. Liebe Andrea. Ich freue mich über deinen Kommentar. Danke!
      Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Wir hoffen, dass es bald leichter wird 🙂
      Sobald ich Zeit freischaufeln kann, blogge ich wieder und hoffe, dass du weiterhin dran bleibst.
      Liebe Grüße, Mona ♡

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