Gespensterstadt.

Tag 1.

Die Straßen waren viel leerer als sonst. Kaum ein Trecker oder LKW vor uns, der uns und 5 anderen zum Zielort eilenden Autofahrern das Tempo erschwert.

Am Kindergarten herrschte quasi freie Parkplatzwahl-ganz anders als gewohnt,wenn man zur Stoßzeit um 08.15Uhr morgens mit den anderen Eltern um den letzten Economy-Class visuell dazugedachten Autoparkplatz am Heckenrand kämpft, jeder nur darauf bedacht die Kinder heil und fix in den KiGa zu bringen um dann den Weg pünktlichst zur Arbeit auf sich zu nehmen.

Gespenstische Leere.

L&L merkten, dass irgendwas anders ist. Keine Kinder da, wie sonst.
Keine Eltern, die grüßen.
Und keine Autos, die unseren Fußweg kreuzten.

„Wir hatten die letzten paar Tage keinen Kindergarten und waren zu Hause um gesund zu werden. Jetzt haben die anderen Kinder keinen Kindergarten und sind zu Hause, um gesund zu bleiben.“

So erklärte ich meinem 2.5 Jährigen den ungewöhnlichen KiTa Marsch. Die Ironie in dieser Aussage versteht er Gott sei Dank nicht-dennoch reichte es aus, dass ich sie dafür umso mehr verstand.

Die 3 anwesenden Erzieherinnen nahmen uns herzlichst in Empfang, als wir in den stillen und in sich ruhenden Kindergarten kamen.
„Oh, da sind ja endlich Kinder.“, begrüßte uns die Gruppenleitung der KiGa-Gruppe meiner Mäuse.

Ja, L&L freuten sich auf den KiGa und ich- wenn auch mit mulmigem Gefühl-war mindestens genauso dankbar für diese mir Sicherheit verschaffende Begrüßung.
L&L stellten auch jetzt wieder schnell fest, dass anstelle von 12 anderen Kindern nur ein anderes Kind in der Gruppe spielte.
„Keine Kinder da“, sagte der Große, nahm seinen Rucksack zum Frühstück mit an den Tisch, ehe die Kleine nach zog.
Beide gaben mir noch fix einen Kuss und Lenny sagte zum Schluss noch:“ Mama Arbeit, kommt dann wieder.“

Ja. Draußen wütet der Ausnahmezustand. Alle schützen sich um die Ungewissheit irgendwie im Rahmen halten zu können.
Kontaktsperre.
Soziale Distanzierung.
1.5m Abstand.
KiTa und Schulen geschlossen.

Und die Notbetreuung wurde in ihren Ansprüchen vor 2Tagen wieder gelockert.
Als wäre nicht so schon Ironie der Anordnung.

Der Parkplatz am Krankenhaus war nicht weniger voll als sonst, dennoch bekam ich noch einen tollen Standplatz für mein Auto.
Überall an den Eingängen stehen Wachdienstmänner, die kontrollieren, wer ins Krankenhaus kommt. Mitarbeiterausweise rechtfertigen also unseren Eingang.

Alle tragen Mundschutz, die Luft im Dauerzustand darunter ist kaum zu ertragen, der Kopf schmerzt und einer nach dem anderen wird bei jedem Hinweis auf den Virus isoliert.

Ja, jetzt schon macht sich das ganze bemerkbar.

Aber wir nehmen es, wie es kommt und tun, was wir tun können.

Um kurz nach 3 holte ich meine Mäuse dann endlich wieder ab. Sie waren die einzigen Kinder, freuten sich mich zu sehen und ich mich umso mehr, sie wieder bei mir zu wissen.

„Ich bin stolz auf euch. Denn ihr geht in den Kindergarten, während alle anderen geschützt bleiben, damit Mama anderen helfen kann. “

Ab morgen sollen wegen der Lockerung der Ansprüche noch 2-3 Kinder mehr kommen.
Für mich unverständlich.

Ich habe ja keine Wahl und kann nur hoffen, dass alle mithelfen:
Bleibt zu Hause so oft ihr könnt. Haltet euch an die Regeln und schützt euch.

Danke v.a. auch an die Erzieherinnen des Kindergartens meiner Kinder. Sie machen einen tollen Job.

Schlagt euch tapfer.
Bleibt gesund ♡♡♡

Nachricht an euch.

Hallo liebe Milchnasen,

anlässlich der aktuellen Situation möchte ich euch dringendst darum bitten, zu Hause zu bleiben, wenn ihr könnt!

Ich bin eine Schlüsselperson.

Meine Mäuse müssen in den Kindergarten, mit anderen Kindern und Erziehern, weil ich im Krankenhaus meine Arbeit machen muss.

Am liebsten möchte ich ihnen den Kontakt ersparen, so wie jedes andere Kind zur Zeit durch die Schließungen auch geschützt ist und „überträgerarm“ bleibt.

Bitte also:

Bleibt zu Hause, damit nicht das ganze Gesundheitssystem völlig in sich zusammen kracht und demnach jedem mit bestem Wissen und Gewissen geholfen werden kann, der es benötigt.

 

#stayhome-wearethere

#wirmüssenrausdamitihrsicherseid

Corona-Krise.

An Tagen wie diesen.

Hallo ihr lieben hoffentlich nicht in Massenpanik ausgebrochenen Milchnasen.

 

Nicht einmal Pampers kann man zur Zeit im Lieblingsdrogeriemarkt bekommen, geschweige denn Waschmittel für Kinderwäsche. 🙈

Was machen die Leute, wenn keine Corona- Warnung raus geht? 

Definitiv weder ihre Kinder pampern, noch Wäsche waschen 😅👍.


Ja, an Tagen wie diesen.

 

Die Arbeit war okay.

Ich versorge nach bestem Wissen und Gewissen die mir zugehörigen Patienten und mache das, was mein Aufgabenbereich mir zuschreibt.

Ich mag die Arbeit in der ZNA. Schon im letzten Ausbildungsjahr, als man mich fragte ob ich mir vorstellen könnte im Haus übernommen zu werden, lautete meine unter schelmischem Grinsen ausgesprochene Bedingung: „Notaufnahme oder ich gehe studieren.“

Seit 2014 bin ich nun Teil des täglichen unvorhersehbaren Chaos‘ daunten. Ich höre mir das Leid und die Klagen sowohl der Ärzte, Kollegen und Kolleginnen als auch insbesondere das der Patienten an. 

Ich kümmere mich um jeden, der meine Hilfe braucht- in dem Ausmaß, wie meine Kompetenz es zulässt.

Ich mag es,Gutes zu tun und ich mag den Trubel.

Jau, Trubel.

 

An Tagen wie diesen.

 

Die Stimmung auf der Arbeit bezüglich meiner Person ist gerade eben so flächendeckend wie akzeptabel.

Dass ich als Krankenschwester nur zu festen Zeiten vormittags von Montags bis Freitags-entsprechend der KiTa Öffnungszeiten arbeiten kann- finden nicht alle gut. 

Genau genommen finden es alle richtig kacke.

Meine Eltern sind selbst noch verhältnismäßig jung und haben mit meinen bis zu 21 Jahre jüngeren Geschwistern zu tun, meine Schwester ist Vollzeit berufstätig und der Papa meiner Kinder ist aufgrund seiner Arbeitszeiten im Rettungsdienst ebenso ‚unflexibel‘ wie jeder andere, um die Kinder zu „übernehmen.“

Was auch immer das für nervige und ätzende unnötige Diskussionen sind. Als wenn mir das alles so Recht und in meinem Sinne wäre.

Leben und leben lassen.

Akzeptanz und Respekt.

Empathie.

Wo seid ihr?


Nach Feierabend um 14.30Uhr gehe ich also zum Spint, ziehe mich um (meist von Weiß wieder zurück in’s private freundliche Dunkel), setze mich in mein glücklicherweise am Morgen irgendwo geparktes Auto und fahre in Richtung des 15km entfernten Kindergartens.

Vorher stoppe ich beim Supermarkt meines Vertrauens, denn ohne Käsebrötchen und Trinken im Gepäck brauche ich meine hungrigen Kinder nicht aus dem Kindergarten abzuholen- sie freuen sich immer und immer wieder darauf, wenn Mama alles parat hat.

 

Ich liebe es. Wirklich ♡

 

Im KiGa angekommen werde ich quasi fast von meinen Mäusen über den Haufen gerannt : „Maaaamaaa“ , empfangen sie mich mit größter Freude und ich sie mit meiner gleichen- als Erstes immer beruhigt zu sehen, dass sie ohne sichtbare Schrammen, Wunden oder Kratzer sind. 

Auf dem Weg in’s weitere 7km entfernte Heimatdorf hören wir ihre Lieblingslieder; ich frage sie wie ihr Tag war und was es zu Essen gab- alles während das Käsebrötchen leidenschaftlich verschlungen wird. 

Die Spülmaschine wartet jetzt darauf, ausgeräumt, die Wäsche gefaltet und das Abendbrot zubereitet und gegessen zu werden, ehe ich meine Mäuse gegen 19.15Uhr zu Bett bringe. 

Meist spielen wir zwischendurch am Nachmittag noch mit den Autos, bauen einen Turm, gehen spazieren oder fahren einkaufen bzw. Omi besuchen.

Küche hergerichtet, Brotdosen und Trinkbecher sind sauber und stehen neben Brettchen, Brot und Messer für den nächsten Morgen vorbereitet auf der Küchenanrichte, lasse ich mich gegen 20.00 Uhr aufs Sofa sacken und schaue mein TV-Abendprogramm- um irgendwann gegen 23 Uhr müde ins Bett zu fallen.

Vorher ist der Kopf nicht runtergefahren.

 

Es ist 02.00Uhr in der Nacht und ich werde wach, weil meine Kleine aus ihrem Zimmer aus so doll weint, dass ich sie neben der Babyphone-Lautstärke auch so schon hören kann.

Ohje. Was hat sie nur?

Müde und voller Hoffnung, dass Lenny nicht wach wird, schleppe ich mich in ihr Zimmer um sie zu trösten.

Zähne?Bauchweh? Übelkeit? Ohrenschmerzen? Albträume? Hunger? Durst?

Ich weiß es nicht, kann nur mutmaßen und versuchen, sie zu lesen. 

 

Die Kommunikation einzigst funktionierend zwischen Mama & Kind. 

Nonverbal. 

Mit 1.5 Jahren spricht sie nunmal noch nicht.

Sie weint und weint, egal was ich versuche. Manchmal schaffe ich es, sie so zu beruhigen, dass sie zeitnah wieder einschläft.

04.00Uhr. 

Ich lege mich müde zurück in mein inzwischen kaltes Bett. Meine Füße frieren, ich friere und meine Decke wärmt mich erst dann richtig, wenn um 06.30Uhr der Wecker geht.

Brote werden geschmiert, Flaschen mit dem Morgentee gefüllt und um 07.00 Uhr Lenny geweckt und angezogen, bevor Luna um 07.15 Uhr folgt.

 

Ok:  Check-Up

    Beide fit?

        Jemand fieber?

               Wirkt jemand krank?

 

Nachdem ich beiden ihren Tee zum Trinken gegeben habe, mache ich mich fertig:

Duschen, Zähne putzen, schminken, Haare machen.

Jetzt Luna.

Inzwischen hat Lenny die Pampi wieder voll, also geht’s kurz vor Abfahrt nochmal von vorne los. 😅

Aufbruch zum KiGa: 8.05Uhr.

Wir hören Radio, schauen uns die Tiere auf unserer bekannten Strecke an und erreichen etwa um 08.17Uhr die KiTa.

„Mama fährt jetzt zur Arbeit meine Mäuse. Wenn ich Schluss habe, hole ich euch wieder ab. Passt auf euch auf und bleibt gesund. Ich liebe euch ♡“.

Den gekühlten Cappuccino in der Hand komme ich etwa um 08.47Uhr auf dem Parkplatz des Krankenhauses an, gehe mich fix umziehen, kaufe ein Brötchen in der Cafeteria und esse es quasi to go, um um Punkt 09.00Uhr meinen Dienst in der ZNA anzutreten.


An jeden Tagen wie diesen organisiert man alles selbst. Es muss funktionieren und so wie es einem möglich ist, schöpft man sein enges Korsett des Zeitmanagements bis auf’s Ultimo aus. 

24 Stunden x 7 Tage.

Dann könnt ihr euch ja vorstellen wie ernüchternd es ist, wenn so manche Arbeitskollegin gefühlt um 09.10Uhr um die Ecke kommt und deine Organisation samt deines dir möglich machenden und längst gesprengten Rahmens in Frage stelllt, dir unmissverständlich zu verstehen gibt, dass deine „Sonderrechte“ bezüglich der Arbeitszeiten und das dauerhafte Kinderkrank-Sein nicht mehr zu dulden seien und du schleunigst irgendwo jemanden für DEINE (!) KINDER organisiert kriegen solltest um deren Arbeitszeitmodellen gleichzuziehen.

 

Ja, an Tagen wie diesen bist du obendrauf everybodys Arschloch.

Weil du eine Mama bist, die ihren Job zu Hause neben der 60% Beschäftigung im Krankenhaus zu 299% macht.

Müde dazu.

An Tagen wie diesen würdest du dich am liebsten rechtfertigen und ihnen erklären, dass die von ihnen so betitelten „Luxusarbeitszeiten“ nicht die sind, die als solche für dich wie perfekt gelten.

DAS sind die Zeiten in denen du kannst, weil dein Hab&Gut betreut ist-

nicht die Zeiten, die für dich am Besten sind. 

An Tagen wie diesen lebst du deinen Alltag.

An Tagen wie diesen bist du einfach nur froh, dass das nächtliche Chaos am Morgen verschwunden war und du dich nicht krank melden musstest.

An Tagen wie diesen bist du dankbar dafür, deinen Kindern ihr Leben ermöglichen zu können.

An solchen Tagen wie diesen weißt du (!), worauf es im Leben ankommt.

 


An Tagen wie heute habe ich Resturlaub. 

Donnerstag und Freitag frei.

Dass ich etwas für mich machen kann,während die Mäuse im KiGa sind,rückte spätestens in dieser Nacht in weite Ferne. 

Luna schrie und schrie. Von 02.30Uhr an. Ich wusste nicht wo, aber dass sie Schmerzen hatte, war ihr deutlichst anzusehen. 

Nach ausreichend Schmerzmittel schlief sie um 05.00Uhr völlig erschöpft ein und wachte etwa um 09.30Uhr mit gelb-rötlich auslaufender Flüssigkeit am Ohr wieder auf.

 

Ohrenarzt. 

Antibiotikum. 

Nächste Runde Mittelohrentzündung. 

10 Tage her.

 

Ja, an Tagen wie heute gibt es keinen Urlaubstag.

Keinen Schlaf.

 

An Tagen wie heute heißt es mehr denn je: „Halte durch, Mama. Wir brauchen dich.“ ♡


In diesem Sinne verabschiede ich mich wieder einmal mit den Worten: Es muss nicht immer Milch sein- kalter Cappuccino tut’s auch.

Schlagt euch tapfer und bis ganz bald

Eure Mona mit ♡ L & L ♡ 😊😘