Der Weg zurück zu mir. Offroad.

Liebe Milchfreunde,

voller Scham und Gewissensbissen melde ich mich nach über einem Jahr hier zurück.

Es ist kaum zu glauben, was in dem ganzen  Jahr passiert ist, wie sich die Dinge entwickelt haben und wie ich mich gemacht habe.

Zuerst einmal erzähle ich euch von meinen großen Kindern Lenny und Luna.

Inzwischen sind sie 3,5 und 4,5 Jahre alt, denken nach wie vor sie seien Twins und verhalten sich dementsprechend.

Luna weiß was sie will, boxt ihren zauberhaften Dickkopf überall durch und kämpft mit ihrem Ehrgeiz mehr gegen gleichaltrige, als gegen ihren inneren Schweinehund- den sie glaube ich nicht mal besitzt.

Sie malt unheimlich gerne, schlüpft oft in die hauswirtschaftliche PuppenMamaRolle und freut sich ihres Lebens.

Ihr scheint die Sonne wirklich aus dem Gesicht.

Lenny ist ein vernünftiger toller Junge, spielt wie gehabt in ruhiger Atmosphäre lieber, fühlt sich im geregelten Alltag pudelwohl und monkt sein Leben so durch.

Ja, er ist ein kleiner Monk. Alles muss an Ort und Stelle stehen, nichts darf versetzt oder verschoben werden und wenn ich mal auf die furchtbare Idee komme sein aufgeräumtes, aber kleinlichst mit aufgebauten Polizei-, Dino- und Baustellenstationen belagertes Zimmer zu saugen, dann Gnade mir Gott.

Sensibel, emotional und weiterhin ein kuschelbedürftiger wunderbarer kleiner Kerl.

Lenny liebt Süßes.

Luna bevorzugt Herzhaftes.

Lenny kann gut alleine spielen,

Luna nicht.

Lenny schläft mit Socken,

Luna ohne.

 

Aber wenn es darum geht sich gegen mich zu verbünden indem sie das ganze Haus auf den Kopf stellen, sind sie 2 in 1.

 

Ich liebe sie. Unterschiedlicher können sie nicht sein, aber genau so ist es perfekt.

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Ich sitze hier vor meinem verstaubten Laptop und weiß eigentlich gar nicht wie und wo ich anfangen soll. Die letzte Zeit Revue passieren zu lassen ist gar nicht so einfach.

Ich habe einiges verloren, vieles aber dazu gewonnen.

Freundschaften zerbrechen, wenn sie gewissen Anforderungen oder Grundvoraussetzungen nicht gewachsen sind;

Jobs müssen aufgegeben werden, genauso wie überschüssige Pfunde.

Menschen täuschen nicht andere, sondern vielmehr sich selbst.


Nach großem Tamtam in dem Krankenhaus, für das ich seit Oktober 2011 arbeitete, wurde ich dazu entschlossen meinen Arbeitgeber zu wechseln- obwohl ich Wechselmodelle wirklich nicht freundlich finde. Meine Hauptaufgabe als alleinerziehende Mutter zweier Kindergartengartenkinder und die daraus resultierende Unflexibilität bezüglich Spätdiensten oder Einspringdiensten stieß auf riesengroßes Unverständnis dortiger „Kolleginnen“. Die Situation spitzte sich mehr und mehr zu; die Ansprache auf meine Person fiel weiter auf Missgunst, obwohl ich parallel zum hinterrücks stattfindenden Shitstorm immer und immer wieder um Hilfe und Anleitung bestimmter Arbeitsaufgaben gebeten wurde.

Ja. Es hat einen hohen Preis.

Meine Arbeit als Krankenschwester in der Notaufnahme erfüllte mich dennoch all die Zeit- denn was mich ausmachte war nicht das beschämende „Team“ in meinem Hintergrund, sondern meine Leidenschaft und meine Qualifikation als Helferin in der Not. Man konnte mir vieles nehmen, so sagte ich immer, aber zweierlei Dinge nicht:

Meine Kinder und meinen Job.

Ich meine… wie stellen die sich das vor? Ich bekam verrückte Ratschläge wie „Hol dir einen Babysitter beim Jugendamt, damit du hier nach Schichtsystem arbeiten kannst“, oder „nimm sie mit zur Arbeit“ oder „verpflichte den Kindesvater zu mehr Umgang.“

Geil. Kennt das jemand? Auf all die Ideen hätte ich doch kommen müssen, so realistisch und empathisch sie doch sind.

Wie konnte ich all die utopischen Verwirklichungsmöglichkeiten nur außer Acht lassen und dabei vergessen, die Arbeit in den Vordergrund zu stellen, weil andere es unfair finden, dass sie ein paar meiner nicht machbaren Spätdienste übernehmen mussten und nicht mit Mann & Kind den Nachmittag zu Hause oder im Tierpark verbringen können?

Wie furchtbar von mir, dass ich es ihnen nicht ermöglichen konnte.

Daraufhin sollte ich zwangsversetzt werden; diese Hiobsbotschaft teilte man mir mit, nachdem ich vom ersten Pippi-Mach-Toilettengang meines Dienstmorgens um 11,45Uhr kam. Am 20. Juli 2021.

„Sie arbeiten täglich von 8-12 Uhr im OP, das steht schon fest so. Alles andere kriegen Sie ja sowieso nicht hin. Ihre Position ist im Team der ZINA nicht mehr tragbar und deshalb bedarf es keiner weiterer Diskussionen mehr. Ich darf das, im Rahmen des Direktionsrechtes und deshalb mache ich das jetzt.“ Danke- PDL.

Nun gut. Angeleiert (!) von der neuen „Leitung“ meiner ehemaligen Dienstabteilung, die mir zwei Wochen zuvor noch fast in die Arme fiel als ich ihr sagte, dass die Kindergartenzeiten endlich (nach 1.5 Jahren) wieder ausgeweitet wurden und ich die Sprechstunden zukünftig  von 8 bis 16 Uhr begleiten könne. Eine Aufgabe, die niemand gerne machte. Aber ich.

Weil ich alles gerne machte.

„Klar, kein Problem. Setz mich ein wo du mich brauchst; ich bin gerne die Prostituierte der Notaufnahme“, wagte ich wirklich zu scherzen- gleichzeitig stolz auf mich selbst, dass es tatsächlich so war und ich in jedem Bereich mein Bestes geben konnte.

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Seit August 2021 nehme ich Parkinsonmedikamente. Mein Neurologe betreut mich aufgrund eines psychosomatisch stressinduziierten Restless- Legs- Syndroms.

Letztens wurde meine Medikation höher gesetzt, weil ich selbst nach 3 maliger Dosiserhöhung noch Probleme hatte und abends und nachts meine Beine am liebsten an den Marterpfahl gekettet hätte. Allerdings war das keine gute Idee. 2 Stunden nach der Einnahme bekam ich fürchterliche Kreislaufprobleme und vor lauter Übelkeit musste ich mich übergeben.

Die Erfahrung / 2 mal sogar damals/ mit K.-O. Tropfen glich dem ziemlich.

Also alles wieder runter auf verträgliche, zwar nicht ausreichchende Dosierung, geschraubt und jetzt heißt es: Alles oder nichts.

oder….

Friss oder Stirb.

 

Nebenbei stellte man mich mit Schmerzdauer- und Bedarfsmedikamenten zur Bewältigung meiner Kopfschmerzen ein und.. ach ja: Ich war weiterhin Mutter von 2 Kindern, die mich brauchten und für die ich mein Bestes gab und gebe.

 


Ein halbes Jahr arbeitsunfähig, ein Leben lang die Hoffnung darauf, dass Karma seinen Dienst leistet.

Stets begleitet durch:“ Spieglein, Spieglein an eurer Wand, seht ihr die Hässlichkeit an eurem Charakterrand?“

 

Es ist okay, denn Dank wundervoller Menschen in meinem Leben habe ich diese Krise nach gerichtlich durchgebrachtem Aufhebungsvertrag im April 2022 überwunden. Den  —> lieben (!) Kollegen im Krankenhaus habe ich einen persönlichen Besuch abgestattet, bewaffnet mit Cupcakes und einer „Danke für die geile Zeit und vergesst mich bitte nicht“- Karte.

Die böse Hälfte ließ ich hierbei bewusst links liegen. Sie waren verantwortlich dafür, dass ich meinen Boden für kurze Zeit verlor.

Jetzt darf ich einem ganz tollen Betreuungsdienst an der Seite des Inhabers und Chefs arbeiten, erfahre dort Dankbarkeit und Wertschätzung. Ich habe ein neues Aufgabengebiet und freue mich sehr auf diesen beruflichen Zweig. Danke, dass du so vielen alleinerziehenden Müttern möglichst machst, was andere als Unmöglich einstufen:

Arbeit. Existenzerhaltung. Respekt. Sicherheit. Anerkennung.

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Ich habe aufgehört, die ganze Männerwelt zu verfluchen. Es ist, wie es ist. Die einen Väter kümmern sich prioritätsgesetzt um ihre Kinder, die anderen eben nicht.

Die einen Männer benutzen eine Frau, wiederum andere lieben sie.

Auf dem Weg dahin musste ich einigen männlichen Begegnungen in meinem Leben das Herz brechen. Ich wusste schließlich nach meiner Trennung weder wo ich hingehörte, noch wer ich war… oder wer ich sein will.

Der Weg zurück zu mir war nicht leicht.

Und dennoch habe ich ihn gefunden.

Es geht mir gut, den Kindern geht es gut und ich versuche alles mir möglich zu machende um ihnen eine unbeschwerte und tolle Kindheit zu schenken.

Meinen inneren Frieden nach einem seelischen Kriegsfriedhof in mir drin habe ich gefunden und geschlossen… Dinge sind wie sie sind, Dinge kommen wie sie kommen und sie entwickeln sich, wie sie sich entwickeln.

Ich freue mich des Lebens, kann den Wind in meinem Gesicht endlich wieder spüren und versuche Geschehenes als persönliche Stärke umzuwandeln.

Eines weiß ich: All meine Erfahrungen hinterlassen hässliche Narben auf meiner Seele, aber die meisten davon habe ich längst übertattoowiert oder Blumen drauf gepflanzt.

Wer mir aber bei all dem Weg den Glauben an mich selbst nahegelegt hat, waren und sind neben meiner Familie und den wenigen aber sehr guten und tollen Freunden vor allem meine eigenen Kinder.

„Mama.“

Ich bin Mama. Und ich bin eine sehr gute Mama.

Ob ich irgendwann einen friedlichen Weg mit der anderen Seite des DNA Stranges meiner Kinder gehen kann, bleibt wünschenswert. Dazu muss dieser aber erstmal aufhören mich als Schussballen zu sehen und zu nutzen. Diese Möglichkeit zu Gunsten aller ist aktuell aber nach wie vor in weiter Ferne.

Es ist schade, aber ich habe weder Lust, Zeit noch die Energie dafür einem vorprogrammierten Bild über mich Korrektur zu leisten… Schade, aber auch das – im Rahmen meiner vergangenen 3,5 Jährigen Weiterentwicklung nach Trennung- auch ein wertvoller Gedanke, den man mir mit auf den Weg gab:

„Wenn Sie sein Opfer sind, dann bleiben Sie das. Und je eher Sie sich damit abfinden, desto leichter wird es für Sie.“

Danke, für diesen grandiosen Satz, der mich endlich davon befreit alles Richtig und Klar stellen zu müssen, mein Handeln und Denken ständig zu rechtfertigen oder nach dem klaren Gedanken auf der anderen Seite zu betteln.

 

Es ist wie es ist.

Und egal wie es ist, ich gebe mein Bestes.

 


Und zu guter Letzt gibt es I H N.

Ich darf mein Herz – außerhalb des großen Platzes meiner Kinder- endlich wieder spüren. Ich darf erfahren, was es heißt geschätzt und respektiert zu werden – von einem Mann.

Ich darf endlich wieder vermisst werden, wenn ich nicht in der Nähe bin; darf endlich wieder in den Arm genommen werden, wenn ich doch wieder vor ihm stehe.

Ich kann fühlen, wie mein Herz Purtzelbäume schlägt.

Ich darf zurück lernen, wenn es heißt :

Du bist besonders und wundervoll so, wie du bist.

 

Ich darf, auf sowohl S E I N E R Ebene, als auch auf beruflicher Ebene endlich wieder spüren:

Danke und schön, dass es dich gibt, Mona.

 

Wo auch immer dieser „Er-Weg“ hinführt- hoffe ich doch bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter- kann ich es trotzdem nicht beeinflussen oder das Ende des Buches am Anfang der Geschichte schon verraten.

Eines weiß ich aber:

Da möchte ich bleiben.

 

Und ich hoffe, dass er das gleiche Buch liest wie ich.

 


Danke also an all die wunderbaren Menschen, die mich nicht aufgegeben haben, die heute noch an meiner Seite sind und Wege mit mir gehen, die eben nicht immer die asphaltiertesten sind.

Offroad.

In diesem Sinne:

Es muss nicht mehr extra Milch sein, ein Schuss Ziehsel- Schnaps tuts auch!

 

Eure Mona